Mehr als sieben Jahre lang verfolgte die Journalistin Annemieke Hendriks den Lebensweg der Tomate vom Samen bis zum Supermarkt. Dabei reiste sie kreuz und quer durch Europa und geriet mitten hinein in die bizarre Welt des globalisierten Nahrungsmittelmarkts.
Im Gespräch mit Züchtern, Lobbyisten, Umweltschützern und anderen Experten stellte sie Fragen, die jeden von uns angehen: Woher kommt eigentlich das Frischgemüse, das wir täglich kaufen? Unter welchen Bedingungen wird es angebaut? Ist regional immer nachhaltig? Schmecken deutsche oder österreichische Tomaten anders als holländische? Gibt es wirklich "Gen-Tomaten"?
Die Welt der Tomaten ist voller Geschichten über mächtige Konzerne und kleine Familienbetriebe, über findige Großhändler und engagierte Einzelkämpfer, über kleine Schummeleien und große Ungerechtigkeiten - und sie ist voller hartnäckiger Mythen und unbequemer Wahrheiten.
Der "Angriff der Killertomaten" ist längst Realität geworden, lernt Rezensent Helmut Höge in dieser, wie er findet, ausgezeichneten Studie der niederländischen Autorin Annemieke Hendriks. Sachkundig, basierend auf ökonomisch-ökologischer Recherche und dank verschiedener Anekdoten auch unterhaltsam kann ihm die Autorin vermitteln, wie der Etikettenschwindel mit Tomaten abläuft: Dort, wo Italien oder Spanien drauf steht, ist meist Holland drin, liest der Kritiker, der hier auch erfährt, dass nur zehn multinationale Chemiekonzerne 85 Prozent des Weltmarkts für Gemüsesamen beherrschen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2017
Rezensent Thomas Weber vergeht der Appetit auf Tomaten nach der Lektüre dieser Reportage von Annemieke Hendriks. Angenehm "unaufgeregt" erzählt ihm die niederländische Journalistin von der komplizierten Aufzucht von Tomaten, die zugunsten ihrer Transportfähigkeit und Haltbarkeit an Geschmack einbüßen. Der Kritiker erfährt hier nicht nur, dass ein Kilo Tomatensaatgut für 10.000 Euro gehandelt werden kann, sondern auch, wie kompliziert die Lieferkette der Tomaten ist: Die Produktion des Saatguts ist meist in Entwicklungsländer ausgelagert, Reinigung, Aufarbeitung und Verpackung geschieht in den Niederlanden, Großhandel und Vertrieb finden hingegen überwiegend in Italien oder Spanien statt, liest Weber. Dass Hendriks Züchter, Händler, Lobbyisten und Aktivisten zu Wort kommen lässt und somit alle Seiten der komplexen Debatte beleuchtet, rechnet ihr der Rezensent hoch an.
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