Anton Jäger

Hyperpolitik

Extreme Politisierung ohne politische Folgen
Cover: Hyperpolitik
Suhrkamp Verlag, Berlin 2023
ISBN 9783518127971
Taschenbuch, 136 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Die Ära der Postpolitik ist vorbei. Dass die Politik wieder da ist, dass Debatten um Corona oder "Wokeness" längst über Twitter hinausgeschwappt sind, wird bestätigen, wer im Privaten heftige Streite erlebt. Nach einer Ära der Postpolitik, in der technokratisch verwaltet wurde, während die Bürger dies höchstens vom Sofa aus kommentierten, stehen wir vor einem allgegenwärtigen Zittern und Beben. Anton Jäger hat dafür den Begriff "Hyperpolitik" geprägt. Zugleich stellt er fest, dass Aufregungswellen sich selten in kollektives Handeln übersetzen: Die Politisierung hat kaum politische Folgen. Dies, so Jäger in seinem Durchgang durch 150 Jahre Demokratiegeschichte, ist die Folge einer von digitaler Einsamkeit geprägten Situation, in der die Menschen nicht länger über Massenorganisationen am politischen Prozess beteiligt sind.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.01.2024

Wir leben in einem Zeitalter der Hyperpolitik, lernt Rezensent Robert Misik bei der Lektüre dieses Buches von Historiker Anton Jäger: Recht begriffslastig macht er klar, dass in diesen Zeiten alles politisiert wird, ohne, dass jedoch Taten daraus folgen. Jägers Hauptthese sei, dass es zwar starke Meinungen gibt, diese aber nicht zu wirklichem Engagement oder gar zu politischem Wandel führen. Auch Aktivismus bleibe in der heutigen Form oft wirkungslos, liest Misik. Nur mit "echter Politik" kann man den Krisen begegnen, gibt der Kritiker Jägers Position wieder. Inspirieren lässt sich der Autor dabei von den "Sozialisten des Roten Wien", erwähnt Misik zum Schluss.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2023

Rezensent Oliver Weber hält das Buch des Ideenhistorikers Anton Jäger für eine gute Einführung in die Dynamiken "hyperpolitischer Zustände". Darüber hinaus bietet der Band laut Weber leider zu wenig Tiefgang, wenn es darum geht dem Phänomen der Repolitisierung der Gesellschaft bei schwindenden Institutionen und Kanälen der Partizipation nachzuspüren. Auch nach Lösungen der Aporie fragt der Autor zu wenig, findet Weber. Bedauerlich, meint er, ist der Befund doch richtig und wichtig.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2023

Eine deprimierende, aber lohnende Lektüre ist Anton Jägers Buch über Hyperpolitik, so Rezensentin Nele Pollatschek. Der Historiker beschreibt gesellschaftliche Veränderungen in zwei Dimensionen, lernen wir: dem Grad an Politisierung der Öffentlichkeit einerseits, dem Grad an institutioneller Vernetzung andererseits. War bis 1990 beides recht hoch, so setzten sich in den Neunzigern, zeichnet Pollatschek das Argument nach, Entpolitisierung und institutionelle Desintegration durch. Im Zuge des Trumpismus und ähnlicher Entwicklungen sei nun zwar die Politisierung wieder im Kommen, die Institutionalisierung jedoch keineswegs, vor allem nicht auf Seiten der Linken. Dort dominiert, stöhnt Pollatschek mit Jäger, folgenlose Online-Erregung um zweifellos wichtige Themen wie "Black Lives Matter" und "Extinction Rebellion". Gefragt wäre hingegen, stimmt Pollatschek dem Autor zu, linke Reinstitutionalisierung, also die Abkehr von einem bloß individualistischen Politikverständnis. Leicht wird das nicht, fürchtet die Rezensentin.

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