Antonio Fians Kunst besteht, hier wie in seinem ganzen Schreiben, in der Reduktion: nicht der 500seitige Familienroman, sondern das manchmal nur 10zeilige Dramolett, nicht 50 Sonette, sondern 1 Sonettenkranz! Dass es in den 'Üblen Gedichten' um Tod, Mord und Verzweiflung ging, war für den aufmerksamen Leser zwischen den witzigen, parodistischen, 'lustvoll gemeinen' (Paul Jandl) Gedichten herauszulesen. Im neuen Band sind sogar noch die unbeschwerteren zwischen den rabenschwarzen Gedichten (die üblichen Themen: der Herbst, der Fußball, die Dichter, die Nacht, das Geschlecht) ziemlich finster eingefärbt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.01.2006
Eher zwischen den Zeilen versteckt Rezensent Samuel Moser sein Lob für Fians als dreigliedrige Sonate aufgebauten Gedichtzyklus. Sehr dünn sei der Gedichtband, körperlich gesehen, aber gerade deshalb so gewichtig, befindet Moser. Auf engem Raum zeige sich ein "vielfältiges lyrisches Talent", das von der "finsteren Heiterkeit" im Scherzo bis zum lakonischen "Ernst" des Adagio reiche. Hier, wo es zuletzt gewissermaßen zur Sache gehe, habe Fian seine Kunst der "Reduktion" noch einmal gesteigert und bis zum "unverzichtbaren Rest" weggemeißelt. Mit vielen Zitaten belegt der Rezensent die "vielfältigen" Tonlagen der Gedichte, bei denen aller Reduktion zum Trotz "immer Fleisch am Knochen" sei. Und manchmal, so Moser, könne ein "wahrer Lyriker" wie Fian auch Gedichte "schießen", aus der Hüfte und auch sonst, mit gezielter Vagheit.
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