Durch fortschreitende Individualisierungs- und Globalisierungsprozesse werden die nachindustriellen, hochtechnisierten, ausdifferenzierten Gesellschaften einem tiefgreifenden Strukturwandel unterworfen. Es liegt eine verwirrende Vielzahl gesellschaftswissenschaftlicher Theorieentwürfe und Erklärungsansätze vor. Das liegt daran, dass sich soziale Wirklichkeit nie mit einem einzigen Gesellschaftskonzept erschöpfend erfassen lässt. Das Buch versammelt deshalb international renommierte Gesellschaftsexperten, die in der Vergangenheit auf gänzlich unterschiedliche Weise versucht haben, ihren Forschungsgegenstand theoretisch einzukreisen. Kurz und prägnant werden die verschiedenen Gesellschaftsanalysen beschrieben, ihre theoretische Grundlage verdeutlicht und kritisch hinterfragt. Das Ergebnis ist ein Überblick über die vorherrschenden Theorien und Konzepte, die den Mechanismen der Gesellschaft nachspüren, indem sie einzelne Aspekte hervorheben, beobachtbare Tendenzen herausarbeiten und die Veränderungen aufzeigen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.09.2000
Zwiespältig äußert sich Kersten Knapp über dieses zweibändige Werk. Einerseits weiß er zwar zu schätzen, dass hier durchaus "anregende Einblicke in die Kunst der Gesellschaftsdeutung" gegeben werden. Andererseits scheint er wenig Neues bei der Lektüre erfahren zu haben. So zeigt sich Knapp wenig überrascht, dass die Soziologen die gesellschaftlichen Krisen in den Vordergrund stellen - schließlich sei dies ja auch die Grundlage ihres Fachs. Auch die Klagen über einen Mangel an moralischen Werten oder an gesellschaftlicher Orientierung sowie die Lösungsvorschläge sind seiner Ansicht nach durchaus nicht neu. Interessant scheint dem Rezensenten jedoch, welch große Rolle stilistische Aspekte bei der Vermittlung der Thesen spielen. Einen "Slogan" zu entwickeln scheint auch bei durchdachten Thesen äußerst wichtig zu sein - sei es nun der Begriff der "Postmoderne", der "radikalisierten Moderne" oder der Begriff der "transkulturellen" Gesellschaft, wie ihn Wolfgang Welsch ins Spiel bringe. Dass diese Formulierung sich gegen Claus Leggewies Formel von der "Multikulti-Gesellschaft" behaupten kann, bezweifelt Knapp jedoch - mit einem spürbaren Augenzwinkern.
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