Herausgegeben von Andreas Kranebitter und Christian Fleck. Elmer Luchterhand nahm als Nachrichtenoffizier der 65th Infantry Division der US Army an der Befreiung des Konzentrationslagers Hersbruck, ein Außenlager des KZ Flossenbürg, teil. Von April bis November 1945 besuchte Luchterhand acht befreite Konzentrationslager, darunter Mauthausen sowie Gusen, und interviewte dutzende befreite Häftlinge und Augenzeugen.1946 in die USA zurückgekehrt, setzte er seine Interviewtätigkeit mit KZ-Überlebenden fort. Für seine Dissertation Prisoner Behavior and Social System in Nazi Concentration Camps (1953) befragte er 52 Überlebende, unter ihnen Paul Neurath, Ernst Federn und Vrastislav Bušek, mit soziologischer Fragebogentechnik. Nicht das egoistische Verhalten als "einsamer Wolf" habe ein Überleben in den Konzentrationslagern ermöglicht, so schloss er aus seinen Interviews, sondern die Solidarität in kleinen Gruppen und Duos sei buchstäblich überlebensnotwendig gewesen. Elmer Luchterhand widmete als politischer Aktivist, Offizier der US-Armee und schließlich Professor für Soziologie am Brooklyn College in New York Jahrzehnte seines Lebens der Erforschung des Nationalsozialismus und insbesondere der Konzentrationslager. Der Großteil seiner Arbeiten blieb allerdings unpubliziert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.12.2018
Götz Aly hält die Veröffentlichung von Elmer Luchterhands Studien für überfällig und wichtig. Was der spätere Soziologe als US-Soldat in Bayern 1944 an Interviewmaterial sammelte, Aussagen von KZ-Überlebenden und deutschen wie österreichischen Zivilisten, scheint Aly aufschlussreich im Hinblick auf die von Bruno Bettelheim, Hannah Arendt u.a. entworfenen Narrative über den moralischen Verfall unter den KZ-Gefangenen. Anders als Bettelheim, so Aly, spricht der Autor bereits 1953 von stabilen Paarbeziehungen und "kulturellen Kontinuitäten" und widersetzt sich der These von den außergewöhnlichen Ursachen für die Gewalt im NS-Staat.
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