Schmutzige Geschäfte im Niemandsland
Wie globale Unternehmen und Superreiche unsere Regierungen austricksen

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN
9783103970791
Gebunden, 368 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Freihandelszonen, die von Steuergesetzen ausgenommen sind. Offshore-Haftanstalten, in denen Menschen auf unbestimmte Zeit inhaftiert werden. Charter-Städte, die von multinationalen ausländischen Unternehmen kontrolliert werden. Schiffe, die unter falscher Flagge fahren. All diese Orte bilden das Niemandsland. Hier gelten die Rechte und Gesetze nicht, die in den uns bekannten Nationalstaaten bestehen. Und das nutzen die Wohlhabenden und Mächtigen zu ihrem Vorteil. In einer Investigativreportage, in der sie uns rund um den Globus führt, verfolgt die Journalistin Atossa Abrahamian die Entstehung und Entwicklung dieses verborgenen Universums.
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Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 24.07.2025
Eine so umfassende Bearbeitung der "Niemandsländer", also der Steuerparadiese dieser Welt, an denen das jeweilige nationale Recht ausgesetzt wird, hat Rezensent Caspar Dohmen noch nicht gelesen. Atossa Araxia Abrahamian widmet sich darin sowohl den Schlupflöchern, die Individuen nutzen, um das Gesetz zu umgehen als auch den Faktoren, die einzelne Länder dazu bewegen, "Steueroasen, Freihäfen oder Sonderzonen" einzurichten. Die "Jagdgründe" der Kapitalisten untersucht die Autorin nicht nur bei sich zu Hause in der Schweiz, sondern auch in Dubai, Laos oder auch Spitzbergen, erklärt der Kritiker. Gut nachvollziehbar findet der Kritiker Abrahamians Erklärungen dazu, was Länder antreibt, rechtsfreie Zonen zu schaffen: Meistens sollen natürlich Unternehmen und ihr Geld angezogen werden, aber manchmal geht es auch um etwas ganz anderes. Australien ließ in australischen Gewässern gekenterte Flüchtlinge auf die Inselstaaten Nauru und Papua Neuguinea bringen, wo sie in spezielle Lager gesteckt wurden. Offiziell waren sie nicht in Australien, weshalb sie dort auch keine Visa beantragen konnten, erklärt Dohmen. Die Autorin widmet sich auch einigen "brisanten" Ideen, wie Sonderzonen für Geflüchtete in Entwicklungsländern. Auf die Frage, wie man aber jetzt am Ende doch näher an die Idealvorstellung des gleich geltenden Rechts für alle kommt - darauf gibt Abrahamian dem Kritiker keine Antwort.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.06.2025
Spannendes erfährt Rezensentin Nina Scholz von diesem Buch über sogenannte "Niemandsländer": Gemeint sind damit Enklaven etwa in Genf, der Heimatstadt der Autorin Atossa Araxia Abrahamian, oder auch auf Weltmeeren oder gar im Weltall, die gemeinsam haben, dass in ihnen die Gesetze, die in regulären nationalen Territorien gelten, ausgehebelt sind. Abrahamian schildert, wie solche Zonen amerikanischen und europäischen Unternehmen, aber auch Staaten, nützen, weil dort Arbeitsplätze ausgebeutet oder Flüchtlinge eingesperrt werden können, während ärmere Länder zumeist keine Vorteile von diesen Enklaven haben. Das alles leuchtet der Rezensentin ein, nur die Passagen darüber, ob Enklaven nicht gelegentlich auch positive Auswirkungen haben könnten, findet sie "widersprüchlich". Ansonsten klärt dieses Buch freilich in auch sprachlich ansprechender Manier über Missstände auf, schließt die Besprechung.