Gertrude Lübbe-Wolff

Der ehrliche Deutsche

Über Problemverleugnung, Moralismus und Regelungsillusionen in Sachen Korruption
Cover: Der ehrliche Deutsche
Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783465046684
Unbekannt, 344 Seiten, 29,80 EUR

Klappentext

Was ist Korruption? Warum ist sie schädlich? Welche Rolle spielt Korruption in Deutschland, welche spielt sie in den anderen Mitgliedstaaten der EU, in der EU selbst, in den anerkannten Beitrittskandidatenstaaten und in anderen Ländern, die einen Beitritt anstreben, und welche Rolle spielt sie weltweit? Welche Risiken sind für die künftige Entwicklung erkennbar? Welche Rolle spielen - unter anderem - Internationalisierung, wachsende geopolitische Spannungen, Migration, Organisierte Kriminalität, die Entwicklung wirtschaftlicher Ungleichheit, Krisen und Krisenbewältigungspolitik? Welchen Schwierigkeiten begegnen Korruptionsbekämpfung und Vorbeugung gegen Korruption auf den verschiedenen Ebenen und angesichts unterschiedlicher Korruptionsniveaus? Diesen Fragen widmet sich das Buch, stellt Beispiele vor, beleuchtet Fortschritte wie Defizite der Rechtsentwicklung und zeigt die verbreiteten Fehlhaltungen und Fehlwahrnehmungen auf, die einer wirksamen Antikorruptionspolitik im Wege stehen: Problemverleugnung, Moralismus und Regelungsillusionen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.12.2025

Der Frankfurter Soziologe und Rezensent Tilman Allert erkennt in der Streitschrift der ehemaligen Bundesverfassungsrichterin Gertrude Lübbe-Wolff über Korruption auch eine Kulturgeschichte deutscher Mentalitäten. Über leeren Moralismus und die mannigfachen Erscheinungsformen der Korruption schreibt die Autorin laut Allert detailreich und mit klaren Argumenten und äußerster Schärfe. Inwieweit Korruption die demokratische Gesellschaft gefährdet und warum die gängige Rechtssprechung nicht genügt, um sie einzudämmen, erklärt Lübbe-Wolff laut Allert anhand einer Fülle von Beispielen von Kohls schwarzen Kassen bis zu Spahns Masken. Eine streitlustige, informative Arbeit, so Allert. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2025

Ein sehr wichtiges Buch über ein dringliches Thema hat Gertrude Lübbe-Wolff laut Rezensent Michael Pawlik geschrieben. Es geht, lesen wir, um Korruption, und zwar nicht in fernen Ländern, sondern in Deutschland, wo man längst keine so weiße Weste habe, wie viele noch glauben und wo man außerdem Gefahr laufe, vom allgemeinen Trend zu mehr Korruption erfasst zu werden, wie die ehemalige Bundesverfassungsrichterin Lübbe-Wolff hier schreibt. Pawlik zählt einige Gefahrenquellen auf, die er ihrem Buch entnommen hat: die zunehmende Internationalisierung, die mehr Korruptionsmöglichkeiten schafft, eskalierende Krisen, die Unsicherheiten hervorbringen, Migration aus Ländern mit Korruptionskultur und anderes. Wie aber etwas dagegen tun? Moralische Kritik an Einzelnen, lernt der Rezensent von der Autorin, bringt nicht viel, vielmehr sollte es darum gehen, Transparenz zu schaffen, was auch ohne viel zusätzliche Bürokratie möglich ist. Außerdem rät die Autorin den Deutschen laut Pawlik, den Datenschutz ein kleines bisschen herunterzufahren, denn auch Datenschutz befördert oft Korruption. Ein wichtiger Weckruf, so das Fazit des Kritikers.

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