Die Callas: jeder meint, etwas über sie zu wissen -- doch was wissen wir wirklich von dieser Sängerin, Künstlerin, Frau? Der Bildband Callas zeigt uns die vielen verschiedenen Gesichter eines Mediums, und wer Augen hat zu sehen, kommt ihr dadurch näher als durch so manch langatmige und wortreiche Abhandlung. Den Einstieg in die Annäherung an das "Medium" Callas liefert Ingeborg Bachmann mit ihrer schon berühmt gewordenen Würdigung der Callas als "die einzige Kreatur, die je eine Opernbühne betreten hat". Das sich daran anschließende Essay von Attila Csampai ruft noch einmal das menschliche und musikalische Genie Maria Callas in allen Einzelheiten ihres schwierigen Lebensweges in Erinnerung. Und am Ende enthält der Band neben einem Verzeichnis der Bühnenrollen, einer Chronologie der Bühnenauftritte und einer Diskographie auch eine umfangreiche Bibliographie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.12.2023
Zum hundertsten Geburtstag der Callas empfiehlt Judith von Sternburg gleich zwei Neuerscheinungen - am besten zur parallelen Lektüre. Näher kann man der legendären Sopranistin ohne Ton- und Bewegtbildaufnahmen kaum kommen, versichert die Kritikerin. Sie liest und blättert zunächst in der bei Schirmer und Mosel erschienenen Sonderausgabe, die neben schmerzhaft-schönen privaten und Bühnenfotos auch Ingeborg Bachmanns "Hommage" und den berühmten Essay von Attila Csampai enthält. Deutlich nüchterner, aber nicht minder lesenswert nimmt sich Arnold Jacobshagen Callas-Biografie aus, fährt die Rezensentin fort. Der Musikwissenschaftler lässt Klatsch und Tratsch weitgehend bei Seite, atmet Sternburg auf. Stattdessen liest sie vom steilen Aufstieg und der Wucht der Diva ebenso wie vom krankheitsbedingten Nachlassen der Stimme. Dass auch die Biografie Bilder enthält, ist für Sternburg ein zusätzlicher Gewinn.
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