Ayaan Hirsi Ali führt seit Jahren einen Kampf gegen den radikalen Islam, gegen den menschenverachtenden Umgang mit muslimischen Frauen. Dieser Kampf hat sie zu einer der berühmtesten und bewundertsten Frauen der Welt gemacht, aber auch zu einer der gefährdetsten. Und er hat sie viel gekostet: Freunde wandten sich ab, ihre Familie verstieß sie, zuletzt verlor sie ihre Wahlheimat Holland. Jetzt sucht sie in den USA ein neues Leben. Sehr persönlich erzählt die Bestsellerautorin, was das für sie bedeutet, verbindet private Erlebnisse mit politischen Beobachtungen über den Islam und seine Frauen. Ihre bittere Analyse: Fortschritte sind kaum zu erkennen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.04.2010
Keine Zeitung war in der Islamdebatte Anfang des Jahres 2010 doktrinärer als die SZ. Während "Zeit", "FAZ" und "taz" hier und da auch Gegenpositionen zuließen, galt in der SZ ausschließlich der "linksliberale" Komment. Feuilletonchef Thomas Steinfeld hatte die Parole ausgegeben, als er Autorinnen wie Necla Kelek, Seyran Ates und Ayaan Hirsi Ali als "Hasspredigerinnen" titulierte, während er einen Begriff wie "westliche Werte" in kulturrelativistische Anführungszeichen packte. Tanjev Schultz, bildungspolitischer Redakteur bei der SZ, hält sich in einer Doppelkritik der neuen Bücher von Kelek und Ali an die Redaktionslinie. An Ayaan Hirsi Alis Buch stört ihn zunächst, dass es noch mehr als Keleks "Himmelsreise" in der ersten Person Singular geschrieben ist. Angerührt hat ihn immerhin ein liebevoller Brief Alis an ihre Großmutter, und das, obwohl diese immer nur verächtlich schnalzte, wenn ihr mal wieder eine Enkelin geboren worden war. Aber das kann Hirsi Alis Buch für den Rezensenten nicht retten, denn "am Ende geht es Ali ja doch nur darum, den Westen vor dem Islam zu warnen". Man spürt förmlich Schultz' Ärger, als er sich verpflichtet sieht, Kelek und Ali in einer "unvermeidlichen Solidaritätsadresse" ein Recht auf Unversehrtheit zuzugestehen.
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