Kopyl im Juni 1942: Einen Tag, nachdem deutsche Polizei in dem weißrussischen Ort etwa 1.000 jüdische Frauen, Männer und Kinder ermordet hatte, erschien dort eine Propaganda-Staffel der Wehrmacht, hielt Vorträge und verteilte Flugblätter sowie Zeitungen. Terror und Propaganda der Besatzungsmacht waren unlösbar miteinander verknüpft. Die Autorin rekonstruiert anschaulich auch anhand bisher nicht bekannter Akten aus osteuropäischen Archiven die umfangreichen deutschen Propagandaaktivitäten gegenüber Zivilisten und Partisanen. Sie zeigt, dass Propaganda ein systematisch eingesetztes Instrument zur Erreichung der miltärischen und besatzungspolitischen Ziele war. So waren die deutschen Propagandisten an der Vorbereitung und Durchführung der Morde an sowjetischen Funktionären und dem Genozid an der jüdischen Bevölkerung ebenso beteiligt wie an der Ausplünderung des Landes, der Partisanenbekämpfung oder der massenhaften Verschleppung von "Ostarbeitern".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2010
Laut Hans-Jürgen Döscher berücksichtigt die Politologin und Historikerin Babette Quinkert in ihrer Studie zur politisch-propagandistischen Kriegsführung der Deutschen in Weißrussland während des Zweiten Weltkriegs das Credo der historiografischen Vielfalt zwischen Innen- und Außenpolitik, Gesellschaft, Wirtschaft und Technik. Für Döscher ein klarer Pluspunkt. Ebenso schätzt der Rezensent die von Quinkert trotz schwieriger Aktenlage nutzbar gemachte relativ breite Quellenbasis. Die Rekonstruktion der Propaganda durch das Deutsche Reich gelinge so anschaulich, ihre Grundpfeiler Antisemitismus und Antibolschewismus würden von der Autorin überzeugend nachgewiesen, schreibt Döscher. Glaubhaft erscheint Döscher auch der Befund, dass Propaganda und Terror im Vernichtungsfeldzug der Deutschen gegen die Sowjets unlösbar miteinander verbunden gewesen seien.
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