Mit zahlreichen, bisher unveröffentlichten Abbildungen. Man kennt ihn, den Dichter Hermann Hesse. Sein Werk: in aller Welt. Über seine Frauen weiß man wenig. Nur eine seiner Frauen, Ruth Wenger, hat fast ein halbes Jahrhundert nach der Scheidung auf wenigen Seiten ihre Erinnerungen notiert - verbittert darüber, "dass die Bedeutung, die ich in Hermann Hesses Leben hatte, in allen Biographien verschwiegen, verwischt, tot geschwiegen wurde." Gestützt auf Dokumente aus dem Nachlass, darunter zahlreiche unveröffentlichte Briefe, richtet Bärbel Reetz ihren Blick auf Hermann Hesses Frauen, die Fotografin Maria Bernoulli, die Sängerin Ruth Wenger und die Kunsthistorikerin Ninon Dolbin-Ausländer. Drei Ehen, zwei Scheidungen, drei Schicksale. Indem Bärbel Reetz die Porträts dreier ungewöhnlicher Frauen zeichnet, macht sie auch neue, bisher wenig beachtete Facetten der Persönlichkeit Hesses sichtbar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2012
Unter den Biografien, die zu Hermann Hesses fünfzigstem Todestag erschienen sind, befindet sich auch "Hesses Frauen", die den Schwerpunkt auf die Liebesbeziehungen des Schriftstellers legt. Diese Schwerpunktsetzung wundert Christian Schärf zwar nicht, wirklich glücklich ist er aber nicht mit Bärbel Reetz' Buch. Die Autorin beschreibe, wie es kommen konnte, dass ein "unbeugsamer Verächter der Ehe" gleich dreimal heiratete: Maria Bernoulli, Ruth Wenger und Ninon Dolbin. Dabei komme der Familienmensch Hesse nicht gut weg - zurecht, wie Schärf findet. Dem Rezensenten greift Reetz' Ansatz, Hesses Werke ausschließlich durch sein Liebesleben zu interpretieren, allerdings entschieden zu kurz. Durch die eindimensionale Betrachtungsweise werde Hesse auf einen "nervenkranken Familienphobiker" reduziert, urteilt Schärf.
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