Das Judentum ist eine Religions- und Volksgemeinschaft, die nicht missioniert und in der aufgenommene Nichtjuden deshalb religiös einen prekären Status haben. Dass ausgerechnet christliche Deutsche nach 1945 vermehrt zum Judentum konvertierten, irritierte die überlebenden Juden. Barbara Steiner untersucht die Aufnahmebedingungen für Nichtjuden, die Veränderungen der Motive und der biographischen Selbstpräsentation deutscher Konvertiten. Ihre Arbeit basiert neben umfangreichen Archivrecherchen auf der Auswertung von Interviews mit Konvertiten und den aufnehmenden Rabbinern. Die Akzeptanzprobleme deutscher Konvertiten innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, die aus ihrem Sonderstatus und dem besonderen historischen Kontext resultierten, werden ebenso erörtert wie deren Reaktionen darauf. Die Autorin kann trotz des von allen Beteiligten gleichermaßen gepflegten Tabus der Konversion erklären, wie es nichtjüdischen Deutschen im Schatten der Schoa gelang, ins Judentum aufgenommen zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2016
Thomas Sparr erfährt aus Barbara Steiners Buch die mannigfachen Motive für eine Konversion zum jüdischen Glauben und sieht ein kaum beachtetes Kapitel der Nachkriegsgeschichte vor sich aufgeblättert. Von den Gründen und den Hürden der Konversion berichtet die Autorin laut Sparr einfühlsam anhand von Fallbeispielen und aus eigener Erfahrung. Eingebettet in den historischen Kontext bieten die Interviews pragmatische und theologische Argumentationen an, meint Sparr. Den Vergleich mit Konversionen zum Katholizismus hätte er sich gewünscht, und auch, dass Steiner die zeitgenössische Literatur zum Thema berücksichtigt hätte.
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