Zu Hitlers programmatischer Schrift "Mein Kampf" gab es bisher keinen analytischen Kommentar. Zwei Gründe mögen dafür ausschlaggebend gewesen sine: die Befürchtung, dass derjenige, der Hitler in theoretischer Hinsicht ernst nimmt, ihn unerträglich aufwertet; und der Verdacht, dass der Versuch, Hitler verstehen zu wollen, unausweichlich in eine Apologie Hitlers mündet. Doch diese eher emotionale Abwehr verhindert die sachliche Auseinandersetzung; und eine solche Auseinandersetzung ist unabdingbar, um die Dimension des nationalsozialistischen Rassenmordes, den Zusammenhang zwischen Ideologie und Verbrechen zu verstehen...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2001
Barbara Zehnpfennigs ideengeschichtliche Herangehensweise bei der Interpretation von Hitlers "Mein Kampf" offenbart dem Rezensenten Frank-Lothar Kroll wirklich neue Erkenntnisse: "Wie bisher niemand sonst interpretiert die Autorin Hitlers Weltanschauung konsequent als Paradigma eines Denkens (...), dessen hervorstechendes Merkmal in einer selektiven Wirklichkeitswahrnehmung liegt." Aber damit nicht genug. Das Buch führt den Rezensenten zur anerkennenden Hervorhebung des Schlussergebnisses: "Hitlers Weltanschauung war die falsche Alternative zu einem falschen Denken und zu einer falschen Praxis". Bei solchen fundamental neuen Erkenntnissen ist es dann verständlich, dass der Rezensent eher marginal die mangelnde Auseinandersetzung mit neuerer Forschungsliteratur und das nur auf den Text begrenzte hermeneutische Verfahren der Autorin bemängelt. Um die Beschäftigungslage in der Hitler-Forschung muss man sich jedenfalls nach Meinung des Rezensenten nach Erscheinen dieses Buches keine Sorge mehr machen, da "die Ergebnisse des Buches" sie "noch lange beschäftigen" werden.
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