Mona Körte

Essbare Lettern, brennendes Buch

Schriftvernichtung in der Literatur der Neuzeit
Cover: Essbare Lettern, brennendes Buch
Wilhelm Fink Verlag, München 2012
ISBN 9783770552146
Broschiert, 319 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

In diesem Buch werden distinkte Formen literarischer Buch- und Schriftvernichtungen in ihren poetischen, narratologischen, medientheoretischen und kulturgeschichtlichen Dimensionen analysiert. Damit werden insbesondere diejenigen Aspekte berücksichtigt, die im 20. Jahrhundert durch die symbolische Last historischer Bücherverbrennungen aus dem Blick geraten sind. In der Verschränkung verschiedener Wissensfelder wie der Schrift- und Lesekultur, der Zensur- und Klandestinaforschung oder der Kolonialismus- und Ideologiegeschichte werden gängige Narrative der Buch- und Schriftvernichtung in Frage gestellt. Dies erfolgt mit dem Ziel, die Wahrnehmung von literarischer Tradition, von Kanonbildung und Zensurpraktiken zu modifizieren.

Anhand zahlreicher Einzeltexte der überwiegend europäischen Literatur vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart wird in dieser Studie der Zusammenhang von Buchleidenschaft und Schriftfeindschaft, philologischer Neugier und Auslöschungsbegehren, Kanonbildung und 'Buchhinrichtung' untersucht. Sie zeigt auf, inwiefern mit den Szenarien der Schriftvernichtung eine regelrechte Aufwertung der Rolle von Buch und Schrift einhergeht. Den transformatorischen Vorgängen des Löschens, Brennens und Einverleibens von Buch und Schrift wird hierbei ein Eigenwert als Praxis des Wissens eingeräumt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.09.2012

Mit viel Lob bespricht Rezensent Lothar Müller Mona Körtes neues Buch "Essbare Lettern, brennendes Buch". Die Literaturwissenschaftlerin untersuche hier anhand von Beispielen der europäischen und amerikanischen Literatur die Buch- und Schriftvernichtung seit der frühen Neuzeit. Die Vernichtung von Büchern muss nicht immer, wie etwa bei der von Nationalsozialisten organisierten Bücherverbrennung im Mai 1933, politisch-ideologisch motiviert sein, erfährt der Rezensent, sondern kann beispielsweise auch als Grundmotiv der literarischen Kultur als "dynamisches Element der fortwährenden Erneuerung" auftreten: In William Shakespeares "The Tempest" etwa überlebt das Buch, das Prospero, der Herzog von Mailand, im Meer versenkt, seinen Untergang. Während die Dichter des Göttinger Hains ihre geselligen Lektüren mit dem Verbrennen der Bücher Christoph Martin Wielands krönten, sei bereits in der Bibel eine Schriftrolle von Ezechiel verzehrt worden, informiert der Rezensent, der dieses "faszinierende" Buch nur unbedingt empfehlen kann.

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