Aus dem Englischen von Karin Will Carcosa. Vor Jahrhunderten entwickelten die Roboter auf dem kleinen Mond Panga ein Bewusstsein ihrer selbst - worauf sie umstandslos in der Wildnis verschwanden und zu einem Mythos wurden, zu einer urbanen Legende. Den Menschen hingegen ist es seither gelungen, die Klimakrise zu überwinden und zu einem gedeihlichen Dasein im Einklang mit ihrer Umwelt zu finden. Dex zieht als Teemönch mit Fahrrad nebst Wohnanhänger durch die Lande und lädt in den Siedlungen zu besinnlichen, therapeutischen Gesprächen ein. Doch die Welt gerät aus den Fugen, als urplötzlich ein Roboter aus dem Wald tritt und die Frage stellt: "Was brauchen die Menschen?" Der erste Teil eines Doppelromans, der sich bewusst der heute vorherrschenden Untergangsstimmung entgegenstellt und ein positives Zukunftsszenario entwirft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2024
Mit Vergnügen liest Rezensentin Maria Wiesner "Ein Psalm für die wilde Schweifenden" und die Fortsetzung "Ein Gebet für die achtsam Schreitenden" aus der "Dex & Helmling"-Romanserie von Becky Chambers und fragt sich, ob eine Welt ohne soziale Netzwerke eine hoffnungsvollere wäre. In Chambers' Büchern, die Wiesner dem "Hopepunk" (im Gegensatz zur Untergangsstimmung des Cyberpunkt) zuordnet, gibt es zwar Taschencomputer, die zahlreiche Funktionen erfüllen können, aber keine sozialen Netzwerke. Chambers erzählt in den beiden Bänden von der fiktiven Welt "Panga", in der Roboter mit eigenem Bewusstsein mit Menschen koexistieren, auch wenn sie nur wenig miteinander zu tun haben. Wiesner liest mit Interesse, wie Chambers das Verhalten der Maschinen darstellt, das selbst menschliche Züge annimmt. Die Hauptfigur Dex will die Stadt verlassen, auf der Suche nach dem authentischen Summen der Grillen. Doch das gelingt nicht und Dex wird Teemönch, erzählt die Rezensentin. Auf seiner Reise lernt er den Roboter Helmling kennen und die beiden ziehen zusammen durch die Lande. Liest sich wie Zen-Literatur, meint die tiefenentspannte Rezensentin.
Eine "Anti-Dystopie" liest Rezensent Hartmut Kasper mit den ersten beiden Science-Fiction Romanen aus der Dex&Helmling-Reihe von Becky Chambers, die auf dem Mond Panga, dem "sattgrünen Trabanten des Gasriesen Motan" spielt. Die Hauptfigur names "Geschwister Dex" ist "geschlechtlich nicht festgelegt" und wird im Original mit "they" bezeichnet, erklärt Kasper. Sehr lobt er hier die Übersetzung von Karin Will, die für das sich daraus ergebende Übersetzungsproblem kurzerhand ein neues Pronomen eingeführt hat: "er" oder "sie" wird zu "ser". Daraus ergeben sich lustige Ableitungen, die den Lesefluss aber nicht stören, wie der Kritiker findet. Geschwister Dex hat eine Vision: "Ser" möchte ein "Teemönch" werden, verrät Kasper, das heißt umherziehen, Tee ausschenken und Menschen zuhören. Als Dex sich zu der Reise aufmacht, begegnet "sihm" plötzlich ein Roboter - denn, erzählt Kasper, auf dem Mond Panga haben sich Menschen und Roboter schon vor langer Zeit einvernehmlich getrennt und erstere sich in die Natur zurückgezogen. Dieser Vertreter seiner Gattung ist aber sehr neugierig auf die Menschheit und so begleitet er Geschwister Dex und möchte die Welt der Menschen erklärt bekommen. Chambers erzählt hier eine "Glückfantasie" abseits aller Klischees über machthungrige Maschinen oder böse Aliens, nickt der Rezensent. Ab und an ist das ein bisschen nah am Kitsch, aber das stört ihn nicht sehr, ob der "Leichtherzigkeit" dieser Wohlfühlliteratur.
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