Klappentext

Er zählt zu den Großen der modernen Architektur: Was aber hat Walter Gropius wirklich gebaut? Nicht viel. Und das ist nicht erstaunlich, denn nach zwei Jahren Studium war klar, dass ihm jedes Talent zum Architekten fehlte. Doch er gründete ein Architekturbüro, wo andere jene Bauten entwarfen, die heute als Ikonen der Moderne gelten. In seinem Netzwerk tauchen alle Namen auf, die in der Geschichte der Architektur und des Designs im 20. Jahrhundert eine Rolle spielen. Wer wollte da an seiner Bedeutung zweifeln? Bernd Polster hat Gropius' Leben akribisch erforscht - man wird es in Zukunft nicht mehr als Heldengeschichte, sondern als Schelmenroman erzählen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.04.2019

Michael Mönninger bringt die Gropius-Biografie von Bernd Polster richtig auf. Dass der Bauhäusler kein Genie war und von einigen Biografen allzu unkritisch gesehen wurde, mag laut Rezensent ja sein. Polsters Ansatz, Gropius mit aller Kraft, in onkelhaftem Ton und vor allem unhistorisch Fakten und Fiktion mischend vom Thron zu stoßen, lässt Mönninger allerdings eher noch zum Gropius-Fan werden, ahnt der Rezensent doch, mit welcher Geringschätzung seitens der Kleinbürger der Bauhaus-Gründer seinerzeit zu kämpfen hatte. Dass der Autor außer Ressentiments nicht viel Neues zur bekannten Lebens- und Werksgeschichte hinzuzufügen vermag, stimmt Mönninger nicht eben milder.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.04.2019

Rezensent Ronald Berg ist heilfroh, dass endlich mal jemand den "Mythos Gropius" entlarvt. Von Autor Bernd Polster lernt er, dass der gefeierte Bauhausarchitekt keine eigenen Ideen hatte - der Mann konnte nicht mal zeichnen! -, sondern lieber die Ideen anderer als eigene ausgab, dass er ein hervorragender Propagandist der eigenen Sache war, der seine Helfer und Ideengeber "erfolgreich vergessen machen konnte"  und überhaupt gerne auf andere herabsah. Polster schließt das laut Berg offenbar aus der Tatsache, dass Gropius hervorragend reiten konnte - er nahm als Husar am Ersten Weltkrieg teil - und so die Gewohnheit hatte, vom hohen Ross auf andere herabzublicken. Die ganze Kritik trieft so vor Schadenfreude darüber, dass Gropius hier zurechtgestutzt wird, dass sie sich entgegen der Absicht des Rezensenten nicht als Empfehlung für das Buch liest.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2019

Rezensent Jens Bisky rät zur Lektüre von Bernd Polsters Walter-Gropius-Biografie, macht sie ihm doch - im Gegensatz zu Reginald R. Isaacs "distanzloser" Gropius-Biografie von 1983/84 - den Menschen hinter dem Mythos sichtbar. Und der war mehr "raffinierter Hochstapler" als Architekt, konnte kaum zeichnen, entwarf und publizierte wenig und bezahlte bereits im Studium Hilfskräfte, erfährt Bisky in dem, wie er findet, auf Grundlage einer Vielzahl von Einzelstudien und eigenen Recherchen sorgfältig zusammengestellten "Schelmenroman". Wie Polster Gropius' Lebensstationen, etwa die Ehe mit Alma Mahler, den Umzug nach Dessau, den Abschied vom Bauhaus oder Kontakte zu NS-Politikern beleuchtet, dabei bei aller Kritik auch Gropius' Stärken, etwa dessen Vermarktungs- und Organisationstalent berücksichtigt, rechnet ihm der Kritiker hoch an. Dass der Autor gelegentlich  allzu sehr zur "Empörung" neigt, das Lektorat zudem ein paar faktische Fehler übersehen hat, kann Bisky verschmerzen: Einen neuen Blick aufs Bauhaus verdankt er dem Buch in jedem Fall.
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