Als Hunde wurden die griechischen Kyniker verspottet, allen voran Diogenes in seiner Tonne, weil sie wie Hunde auf der Straße lebten und ihre Bedürfnislosigkeit zur Schau stellten. Dass Jesu Lehre von Besitzlosigkeit und Nächstenliebe viele Gemeinsamkeiten mit Leben und Lehre der Kyniker aufweist, ist seit längerem bekannt. Bernhard Lang zeigt erstmals die Gründe dafür. Vor allem in den griechisch geprägten Städten Palästinas war ein jüdischer Kynismus verbreitet, der den Propheten Elia als Vorbild verehrte und griechische Philosophie mit jüdischer Tradition verband. Mit diesem jüdischen Kynismus muss Jesus in Kontakt gekommen sein, ja, er war ein Anhänger und zunehmend auch ein Prediger dieser Lehre, der noch in seiner Todesstunde Elia als Nothelfer anrief.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.03.2011
Der Basler Theologe Niklaus Peter hat sich von dem für Uneingeweihte missverständlichen Titel nicht abschrecken lassen und sich dann gern von Bernhard Langs Studie über die Parallelen zwischen kynischer Philosophie und jüdisch-christlicher Lehre aufklären lassen. Als erkenntnisreich lobt der Rezensent Langs Vergleich kynischer Ideale, wie sie beispielsweise Diogenes vorgelebt und gelehrt hat, mit dem Wanderpredigerdasein Jesu, den der Autor in der Nachfolge des armen Wanderpropheten Elija und Johannes des Täufers sieht. Auf die in seinen Augen "zeitgeistigen" Anknüpfungen an Foucault und Sloterdijk hätte Peter zwar getrost verzichten können. Dafür lobt er den Blick des Autors auf Jesus als "jüdischen Kyniker" für seine Frische und findet, dass sich hier eine faszinierende und wirklich neue Facette der "Zentralgestalt des Christentums" zeigt. Neben den Gemeinsamkeiten hätte der Rezensent allerdings nichts dagegen gehabt, wenn Lang sein Augenmerk auch auf Unterschiede gerichtet hätte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2010
War Jesus ein Kyniker? Wolfram Kinzig kann es zuerst nicht glauben, was der Autor da vorhat. Jesus gegen alle christliche Tradition mit hellenistischen Wurzeln auszustatten, erscheint ihm doch mehr als verwegen. Dass Bernhard Lang Jesus als asketisch lebenden Wanderer begreift (was der Rezensent mit Hinweis auf den Weinkonsum Jesu pariert), ist für Kinzig längst kein Beweis für eine Verbindung zum Kynismus. Der ist schließlich doch etwas komplexer, suggeriert uns der Rezensent. Spätestens jedoch wenn Lang das Letzte Abendmahl zum kynischen Opfer umdeutet, steigt Kinzig aus. Ein Jesus als griechischer Hippie kommt ihm nicht in die Krippe.
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