Lebensader, Höllenfluss, Lustgewässer: Über Jahrtausende war der Tiber Roms Schicksalsfluss. Als Gott verehrt und als Geißel gefürchtet, bestimmte er das Leben der Ewigen Stadt. An seinen Ufern erhoben sich Kirchenstaat und Ghetto, Prunkpaläste und Armenhäuser, hier wurde gekämpft, gelitten, gefeiert - und Geschichte geschrieben. Ein Fluss voller Grandezza, Schrecken und Wunder, von denen Birgit Schönau in ihrem mitreißenden Buch erzählt. Rom und der Tiber, das ist eine 3000-jährige Geschichte. Sie reicht vom römischen Weltreich über die große Zeit der Päpste bis in die Gegenwart. Lange existierten die Stadt und ihr Fluss in enger Symbiose. Der Tiber hielt das tägliche Leben in Gang, vom Getreide bis zum Marmor-Obelisken wurde auf ihm alles transportiert. Sein Wasser stillte den Durst der Stadt, trieb Mühlräder an, seine Fischgründe machten die Kirche reich. Die Römer fürchteten die Naturgewalt der oft verheerenden Überschwemmungen. Doch sie genossen den Fluss auch beim Baden und als Kulisse für die Zaubergärten der Renaissance. Reiche Fürsten und arme Schlucker zogen an seine Ufer auf der Suche nach Seelenheil. Am Tiber wurden Ritterschläge erteilt, Waisenmädchen verheiratet, Hinrichtungen vollzogen, Pestkranke kuriert und Prostituierte eingezäunt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2024
Sehr angetan ist Rezensent Andreas Rossmann von Birgit Schönaus Buch über den "heiligen Schicksalsfluss" Tiber. Dieser sei nicht nur durch seine mythische Bedeutung besonders, sondern war auch die "Lebensader" Roms und seiner Bewohner, die über den Tiber mit allen nötigen Waren und mit Trinkwasser versorgt wurden, erfahren wir. Schönau erzählt auch detailliert von der Kehrseite des Tibers, der im Mittelalter durch die in ihn laufenden Abwasserkanäle zu einem "Höllenfluss" wurde, denn bei Hochwasser riss der Fluss all die Besitzlosen mit, erzählt Rossmann. Dass Schönau der Rolle des Flusses in Kunst und Kultur ein eigenes Kapitel widmet, freut den Rezensenten, der den Tiber hier darüber hinaus als eigenständige "anarchische Kraft" erlebt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2023
Rezensent Clemens Klünemann kann mit Birgit Schönaus Buch eine völlig neue Perspektive auf Rom einnehmen. Die Autorin macht den Tiber zum "selbstständigen Akteur in der Geschichte der Stadt", so Klünemann, indem sie quasi entlang des Flusses erzählt, vom "Ponte Flamingo" im Norden und dem "Ponte Testaccio" im Süden der Stadt. Von Beginn seiner Existenz an, kam dem Tiber eine zwiespältige Rolle zu, erfährt Klünemann: Er ist "Lebensader", mit der Güter transportiert und und die Getreidemühlen angetrieben wurden, aber auch "Kloake" und Quelle von Krankheit und Tod. Durch Schönaus lebendigen Stil werden die erzählten Episoden römischer Geschichte geradezu erlebbar, schwärmt Klünemann, der diese "meisterhafte Biografie eines Flusses" nachdrücklich empfiehlt.
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