Birgit Vanderbeke

Sweet Sixteen

Roman
Cover: Sweet Sixteen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783100870261
Gebunden, 140 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

"Sechzehnjähriger verschwand am Geburtstag spurlos", lautet die Schlagzeile. Erst ist es nur einer, dann sind es fünf, und es werden immer mehr. Gibt es einen Zusammenhang? Die Medien werden aufmerksam und versuchen, das Phänomen zu erklären. Doch auch sie stehen vor einem Rätsel. Keine Spuren, keine Bekennerschreiben, keine Lösegeldforderungen. Stattdessen tauchen hellblaue T-Shirts mit der Aufschrift "Free your mind" auf, und man begreift: diese Jugendlichen sind nicht verschleppt worden. Sie hatten nur keine Lust mehr, sie machen nicht mehr mit, sie sind einfach weg.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.07.2005

Als gescheitert betrachtet Rezensent Gerrit Bartels Birgit Vanderbekes neuen Roman über die Jugend von heute, ihre Konfrontation mit Eltern, Schule, Staat und Medien. Der Idee des Romans - an ihrem 16. Geburtstag verschwinden überall in Deutschland Mädchen und Jungs, um  eine Art revolutionäre Jugendbewegung zu bilden - kann Bartels zwar einiges abgewinnen, die Ausführung aber findet er reichlich missglückt. Scheint ihm Vanderbekes Versuch, Sehnsüchte, Lifestyle und Jargon der Jugend zu beschreiben, gerade noch erträglich, so kritisiert er die Geschichte letztlich in Grund und Boden: "geradezu hanebüchen, um nicht zu sagen: empörend bemitleidenswert". Bartels sieht darin nicht vielmehr als eine Verwurstung aktueller Mediendiskurse: Krieg der Generationen, die Kinder der 68er gegen ihre Eltern, demografische Entwicklung der Gesellschaft, die Sicherheitsdebatte et cetera. "Nur gut, dass 'die Jugend' realiter doch komplexer ist als von Vanderbeke imaginiert und vielleicht sogar schläfriger und letzten Endes gar einverstandener."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.07.2005

Es gibt ja, konstatiert Ijoma Mangold, unter den deutschen Schriftstellern so eine "neue Faszination für den Straßenkampf und den Aktionismus", nicht selten verbunden mit einem verklärenden Blick auf eine Zeit, in der die Herzen vermeintlich wild waren und junge Menschen ihre Ideale an den Himmel sprühen wollten. Auch Birgit Vanderbeke, vermutet Mangold, pflegt solche Sehnsüchte und hat sich deshalb eine Verschwörung 16-Jähriger ausgedacht, die die Nase voll haben von Konsum und Fernsehverblödung und Botschaften aus dem Untergrund schicken. Doch wo ist das Abenteuer? Wofür brennen die Herzen? Und wer sind diese Kids überhaupt? Vanderbeke, urteilt Mangold, weiß von ihnen "nicht mehr als deren Eltern". Dafür hat sie keinen Aufwand gescheut, um die Revolte, die keine ist, sondern nur Gelaber, korrekt zeitgemäß mit modernster Kommunikationstechnologie auszustatten, mit dem Ergebnis, dass der Rezensent dort, wo die Erzählung sein sollte, hauptsächlich "superpenetrante Computervokabularsoße" vorfindet. Fazit: Eine "unerträgliche Ranschmeiße" und ein dazu Werk von "niederschmetternder Bravheit".
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