Von 1979 bis 1991 waren um die 20.000 Vertragsarbeiter
aus Mosambik in der DDR beschäftigt.
Ihr auf vier Jahre befristeter Aufenthalt sollte
dazu dienen, ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen
und Berufserfahrung zu sammeln, um nach
ihrer Rückkehr zum Aufbau eines unabhängigen
sozialistischen Mosambiks beizutragen.
Die Realität sah anders aus. Die "Madgermanes",
wie sie in Mosambik genannt werden, eine Wortschöpfung
aus "Verrückte Deutsche" und "Made
in Germany", kehrten in ein vom Bürgerkrieg
völlig zerstörtes Land zurück. Für ihre Berufsausbildung
gab es keine Verwendung, und der
von der Regierung treuhänderisch einbehaltene
Lohn wurde nie ausgezahlt …
Birgit Weyhe recherchiert diese kaum bekannte
Fußnote deutsch-mosambikanischer Geschichte,
indem sie die Betroffenen selbst zu Wort kommen
lässt. Sie dreht die übliche Perspektive eines
deutschen Blicks auf die Welt um und porträtiert
zugleich einen Staat vor dessen Untergang.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2016
Als "Madgermanes" wurden die rund 20.000 Vertragsarbeiter aus Mosambik bezeichnet, die in den achtziger Jahren in der DDR arbeiteten und schließlich überwiegend in die ehemalige Heimat abgeschoben wurden, informiert Rezensent Christian Gasser. Wie Birgit Weyhe in ihrer gleichnamigen Graphic Novel anhand von drei beispielhaften Figuren das Schicksal der Madgermanes nachzeichnet und miteinander verknüpft, findet der Kritiker brillant. Die Comicautorin, die selbst neunzehn Jahre in Mosambik aufwuchs und schließlich nach Deutschland kam, verfüge über die notwendige Kenntnis und das Einfühlungsvermögen, um die Gefühle von Entfremdung, Heimat- und Perspektivlosigkeit, Integration und Ausgrenzung zu schildern, lobt der Rezensent, der über einige Absurditäten bisweilen schmunzeln muss. Auch Weyhes lebhafte Bildsprache, die Schwarz-Weiß-Panels mit ornamentalen Motiven aus beiden Kulturen und zeithistorischen Elementen wie Bustickets oder Propagandaplakaten verbindet, hat dem Kritiker ausgesprochen gut gefallen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2016
Rezensent Andreas Platthaus lobt Birgit Weyhes viertes Comic-Album in den höchsten Tönen. Die spezifische Handschrift der prämierten Autorin, die Historiografie, Mentalitäts- und Kunstgeschichte, individuell Erlebtes und Soziologie kombiniert, findet er auch in diesem Band. Hinzu kommen eine Anschaulichkeit durch bewusst ungelenk dargestellte Zeichnungen, assoziative "Zwischenbilder" und eine laut Platthaus staunenswerte Seitenarchitektur. Für Platthaus ist das Buch über eine Gruppe von moçambiquanischen Fremdarbeitern in der DDR und später zurück in der Heimat schon jetzt einer der bedeutendsten deutschen Comics. Weyhes Rechercheleistung, ihre intime Kenntnis Afrikas und die manchmal pathetische, aber für Platthaus stets packende Umsetzung von Emotionen in Bilder lassen da keinen Zweifel beim Rezensenten aufkommen. Dass der Comic auch an das aktuelle Flüchtlingsthema rührt, obgleich er Zustände der 80er Jahre behandelt, macht ihn für Platthaus noch einmal interessanter.
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