Aus dem Portugiesischen von Karin Schweder-Schreiner. Ein traumatisierter Vater zieht sich nach dem Tod seiner Frau mit seinen beiden Söhnen und einem Ex-Soldaten in ein verlassenes Jägercamp mitten im unwirtlichen Busch zurück. "Jesusalem" tauft er den Ort, an dem sich Jesus irgendwann vom Kreuz befreien und Gott um Vergebung bitten würde. Dort will er das Erlebte vergessen. Bis auf den jüngeren Sohn, dessen Schweigen er zu seiner Kathedrale macht, erhalten alle neue Namen. Erinnerungen an das frühere Leben, selbst Träume sind verboten. Vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in Mosambik erzählt Couto den verzweifelten Versuch zweier Brüder, eine Familientragödie zu rekonstruieren, über die ihr Vater weder sprechen noch schweigen kann.
Für Dirk Naguschewski ist der Roman von Mia Couto eine mit einer Prise magischem Realismus anspruchsvoll erzählte Seelenkunde, die dem Leser Einblick in die Lebensgeschichte eines Kriegskindes im Busch von Mosambik gibt. Dass der Autor sich beim Erzählen Zeit nimmt, begreift der Rezensent als gewissenhafte Beschäftigung mit einem schwierigem Thema: versehrte Seelen. Nicht so sehr um die politische Gemengelage in seiner Heimat geht es dem Autor, erläutert Naguschewski, sondern um das psychologische Verständnis seiner Figuren.
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