Vertragsarbeitende hatten in der DDR nur dem Gesetz nach eine gleichberechtigte Stellung: In den Augen vieler DDR-Bürger blieben sie Fremde, geduldet am Rand der Gesellschaft. Das Verlangen nach einer ethnisch-homogenen Bevölkerung und die Wahrnehmung, als Deutsche im Vergleich mit Ausländern weniger privilegiert zu sein, wurden von einer breiten Schicht getragen. Diskriminierende Sprechweisen und abwertende Verhaltensmuster gegenüber Migranten waren mehr und mehr gesellschaftlich akzeptiert. Xenophobe Gewalt trat in Ostdeutschland nicht erst nach der Wiedervereinigung auf, es gab sie schon unter der SED-Herrschaft.
Rezensent Jens Rosbach schätzt detaillierte Studie der Politologin über die sogenannten "Vertragsarbeiter" der DDR von den 70ern bis zu den frühen 90er-Jahren. Der damals unter Mangelwirtschaft leidende Bundesstaat lockte unter dem Deckmantel von Völkerfreundschaft Arbeiter aus unter anderem Vietnam, Polen und Mosambik an, die dann vor Ort jedoch niedrige Löhne und Alltagsrassismus vorfanden, liest der Kritiker. Die DDR verheimlichte die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den staatlich bewachten Tagelöhnern und den neonazistischen Gruppierungen, um nach außen hin die eigene Überlegenheit gegenüber der BRD inszenieren zu können, fasst Rosbach weiter zusammen. Dieser akribisch recherchierte und belegte Text führt eindrucksvoll vor Augen, wie sehr die DDR von vereinfachten "Freund-Feind-Schemata" geprägt wurde, lobt der Rezensent. Schade nur, dass der Text auf vergleichende Statistiken mit der BRD verzichtet, was Rosbach aber nicht davon abhält, eine unbedingte Empfehlung für diese auch heutige, rechte Trends beleuchtende Analyse auszusprechen.
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