Björn Kuhligk erweist sich erneut als politischer Lyriker und verfasst ein Langgedicht über das Jahr 2020 in dem die Normalität unseres Alltags zusammenbrach. Die Leere / vor mir und mich selbst im Rückspiegel / mit der Leere hinter mir, so beginnt die Reise durch den Zyklus jenes Jahrs, in dem sich die Chance der Ruhe in Starre verwandelte, in dem die Grenzen nur noch für die Spargelstecher aus Rumänien geöffnet wurden und Selfies irgendwann Räudigkeit, Hilflosigkeit und Bedürftigkeit ausstrahlten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2023
Rezensentin Beate Tröger fühlt sich mit Björn Kuhligks Langgedicht zurückversetzt zum Beginn der Pandemie, zu Masken, Plexiglasscheiben und ständiger Händedesinfektion. Nicht gerade ein freundlicher Ort, aber vom Autor gewohnt gegenwartsbewusst und detailgenau bis zum "pandemischen Neusprech" eingefangen, findet Tröger. Wenn Kuhligk vom eigenen Erfahren zum Weltgeschehen den Bogen spannt, fragt sich Tröger allerdings, ob die "oft irritierende" Beredtheit des Textes der behaupteten Sprachlosigkeit des Moments nicht widerspricht.
Rezensent Jan Drees begrüßt Björn Kuhligks Langgedicht als willkommene Erinnerung an das erste Corona-Jahr. Die triste Stimmung des Lockdowns fängt der Autor für Drees klar und überzeugend ein, indem er etwa den Einzug neuer Vokabeln verwundert konstatiert, Balkonkonzerte oder steife zwischenmenschliche Gesten. Dem Dreischritt der "Erzählung", Beruhigung-Euphorie-Krise, folgt Drees mit Aufmerksamkeit. Kuhligks Verse findet er wehmütig und anspielungsreich, aber nie aufdringlich.
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