Aus dem Tschechischen von Christa Rothmeier. In einer alten Kiste entdeckt die Erzählerin Briefe und Tagebuchaufzeichnungen: die Notizen ihres Vaters, der 1918 als Soldat in Sibirien das Ende des Ersten Weltkriegs erlebt und erst 1920, über Wladiwostok, Singapur, Suez und Triest wieder nach Prag heimkehrt - 1921 kommt Bohumila auf die Welt. Und gegenläufig zur Bewegung dieses väterlichen Tagebuches nähert sich die Erzählerin selber ihren Ursprüngen, mit Erinnerungen, Impressionen, Bildern aus fast einem ganzen Jahrhundert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.07.2003
Uwe Stolzmann ist sehr berührt von diesem Buch über das Altern und das Verblassen der Erinnerung, das die mittlerweile 82-jährige tschechische Autorin Bohumila Grögerova geschrieben hat. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre konkrete und experimentelle Literatur, weiß unser Rezensent. Ihre Bücher, die in der ehemaligen Tschechoslowakei oft nicht durch die Zensur kamen, wurden oft zuerst in Deutschland veröffentlicht. Dennoch ist sie in Tschechien eine Institution, während sie in Deutschland kaum jemand kennt, bedauert unser Rezensent. Ihr neues Buch ist nach Stolzmanns Meinung wohl auch ihr privatestes, denn sie schreibt über ihr eigenes Gedächtnis als "stetig verwildernder Garten am Haus", der ihr stündlich mehr entgleitet und ihre Welt kleiner werden lässt: "Schonungslos ist die alte Frau, hat Tücher und Schleier abgelegt", schreibt Stolzmann. Er ist so beeindruckt, dass er ihr gesamtes Werk diesem Buch unterordnet: "Wenn es sonst nichts zu lesen gäbe von Bohumila Grögerova, dies wäre genug".
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