Wlodzimierz Borodziej, Maciej Górny

Der vergessene Weltkrieg

Europas Osten 1912-1923. Band 1: 1912-16 Imperien, Band 2: 1917-23 Nationen

Klappentext

"Der vergessene Weltkrieg" ist die Darstellung eines unbekannten, neu zu entdeckenden Weltkrieges: des Krieges in Osteuropa von 1912 bis 1923. In unserer Geschichtserinnerung reduziert sich der Erste Weltkrieg auf den Stellungskrieg und die Materialschlachten in Nordfrankreich. Welche unermesslichen Tragödien sich im Osten abspielten, ist aus dem Bewusstsein gestrichen. Die Schauplätze reichen vom 1. Balkankrieg 1912 über den habsburgischen Teil der Ukraine bis nach Russland Anfang der 20er Jahre. Schon der Zuschnitt der beiden Bände - '1912-16 Imperien' und '1917-23 Nationen' - ist neu. Die Perspektive weitet sich aber noch inhaltlich, denn im ethnisch und religiös zerklüfteten Osten wird der Krieg rasch zu einem 'Rassenkrieg' und bildet so den Auftakt zum größeren Rassenkrieg 20 Jahre später.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2019

Für Rezensentin Katrin Steffen schließen die Warschauer Historiker Wlodzimierz Borodziej und Maciej Gorny mit den vorliegenden beiden Bänden eine Wahrnehmungslücke. Wie der Erste Weltkrieg an den Fronten im Osten ablief, vermögen ihr die Autoren chronologisch, multiperspektivisch, politik-, militär-, sozial- und alltagsgeschichtlich darzustellen. Das gezielte Hinterfragen gängiger (westlicher) Narrative, etwa betreffend die Kriegseuphorie oder zeitliche Abläufe, birgt für Steffen überraschende Erkenntnisse. Eine originelle und faszinierende Lektüre, findet sie.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.05.2019

Rezensent Oliver Jens Schmitt bekommt mit Włodzimierz Borodziejs und Maciej Górnys Buch europäische Geschichtsschreibung aus neuer Perspektive, klug, anschaulich und mit leiser menschlicher Ironie verfasst. Dass die Autoren eine gewaltige Tragödie aufrufen, wenn sie das Wüten des Ersten Wektkriegs in Europas Osten beschreiben, wird Schmitt allerdings auf jeder Seite klar. Neu dabei sind für Schmitt sowohl die Epochengrenzen (1912-1923) als auch die Räume (von der Ostsee bis Rumänien). So entsteht für ihn eine "verflochtene Geschichte großer europäischer Geschichtsregionen". Welche Rolle die Eisenbahn für den Kriegsverlauf in Ostmitteleuropa spielte, wie die Spionage grassierte, wie Mangel und Hunger die Menschen hinwegraffte und wie aus dem implodierenden Österreich-Ungarn schließlich die Nationalstaaten entstanden, erfährt Schmitt aus dieser Gewaltgeschichte.