1 CD mit 61 Minuten laufzeit. Wer spricht und in welchem Namen? - Am Anfang des Begriffs "Medium", als die Frage nach dem Medialen in der Geschichte laut wird, steht der Mensch. Das Medium ist der Mensch, der sowohl eigene wie auch fremde Stimmen durch sich manifestiert und zur Welt kommen lässt, ohne dabei das Eigene vom Fremden zu unterscheiden. Seit im Europa des 19. Jahrhunderts die Geister in den spiritistisch-theosophischen Gesellschaften redselig werden und zu sprechen beginnen, seit die klassische Avantgarde das Fremde zum Eigenen, die Botschaft des Mediums zur eigenen Botschaft macht, ist die Lage heute nicht anders: Wir leben inmitten einer medialen Welt, deren Zeichen und Mitteilungen in ihren Ursprüngen uns für immer verborgen sind - der Raum hinter den medialen Oberflächen bleibt dunkel.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2004
Der Rezensent mit dem Kürzel "czz" ist fasziniert, wie der Kunst- und Medientheoretiker Boris Groys das Thema Medien auf dieser Hör-CD abhandelt. Er schlägt unerwartete Haken - beispielsweise rekurriert er auf den "Spiritismus des 19. Jahrhunderts", bei dem Menschen als Medium galten. Dabei gleitet er jedoch keineswegs in eine esoterische Richtung ab. Vielmehr geht es ihm um den Punkt, dass alle Menschen ein Medium im Sinne eines "aktiven, sprechenden, handelnden und politisch verantwortlichen Subjekts" sind und zieht so den omnipräsenten Begriff aus dem "Sumpf des Selbstverständlichen" raus. Seine Argumentations- und Assoziationsketten sind zwar nach Meinung des Rezensenten mitunter Schwindel erregend, aber nichtsdestotrotz sehr inspirierend, denn sie leben von der "Sprengkraft des unauflösbaren Verdachtes": "Nie können wir wissen, wer 'dahinter' steckt, wenn jemand spricht."
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