Zweisprachige Ausgabe: die mittelhochdeutschen Texte mit neuhochdeutschen Übertragungen. Die Lyrik des deutschen Spätmittelalters stand lange und steht großenteils noch heute im Schatten des klassischen Minnesangs und der Sangspruchdichtung Walthers von der Vogelweide. Tatsächlich baut sie auf den Dichtungstraditionen der Zeit um 1200 auf, aber sie variiert und bricht sie, spielt mit ihnen und entwickelt ganz neue Themen und Formen. Aus der überreichen Fülle dieser späten Liedproduktion wird hier eine repräsentative Auswahl geboten, eine Sammlung von Texten, die zu entdecken sich auch für den Nichtspezialisten lohnt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.09.2006
Lange genug hat Hans-Herbert Räkel auf diesen zweiten Klassiker-Band zur Lyrik des Mittelalters gewartet. Was er nun in Händen hält, gefällt ihm ausgezeichnet. Endlich kommt auch das Spätmittelalter zu seinem Recht. Die Textauswahl des Herausgebers und Übersetzers Burghart Wachinger lobt Räkel als "reif", daraus könne durchaus ein gültiger Kanon entstehen. Dem subjektiven Urteil Wachingers vertraut er sich gerne an, beruht es doch auf großer Kenntnis, Erfahrung und "sicherem Geschmack". Repräsentative Qualität erhält der Band für den Rezensenten auch durch die besondere Konzentration auf drei Dichter (Neidhart von Reuental, Heinrich Frauenlob, Oswald von Wolkenstein). Diese zeuge von der nötigen Rücksicht auf den Leser, der, wie Räkel bemerkt, nicht notwendig aus dem akademischen Milieu stammen muss. Begeistert zeigt sich Räkel von Wachingers Übersetzerqualitäten, auch oder gerade weil er die Schwierigkeit der Texte erahnen lässt. Dass der Band nicht eine Musiknote enthält, findet Räkel dagegen unverständlich. Schließlich war Minnelyrik doch vor allem Minnesang.
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