Aus dem Englischen von Norbert Hofmann. Sie bewegen sich nicht so viel, wie Sie sollten? Zählen Ihre Kalorien im Schlaf? Sie schämen sich dafür, dass Sie nicht glücklicher sind? Sie könnten ein Opfer des Wellness-Syndroms sein. In diesem Buch argumentieren Carl Cederström und André Spicer, dass sich der allgegenwärtige Druck, unser Wohlbefinden zu maximieren, inzwischen gegen uns richtet, uns schlecht fühlen lässt und dazu führt, dass wir uns in uns zurückziehen. Das Wellness-Syndrom folgt Gesundheitsfreaks, die bis zum Äußersten gehen, um die perfekte Diät zu finden, Angestellten, die den Tag mit einer Tanzparty beginnen, und den "Self-Trackern", die alle Körperdaten messen, einschließlich ihrer Toilettengewohnheiten. Das ist eine Welt, in der sich gut fühlen ununterscheidbar geworden ist von gut sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2016
Rezensentin Manuela Lenzen hält sich mit einem Urteil über das neue Buch der Organisationstheoretiker Carl Cederström und André Spicer zurück, honoriert das "Wellness-Syndrom" aber immerhin mit einer umfangreichen inhaltlichen Zusammenfassung. Zentrale These der Autoren sei, dass die Ausweitung des kapitalistischen Konkurrenz-Prinzips auf Körper und Gesundheit, die permanente Selbst-Optimierung, eine gesellschaftliche "Entpolitisierung und Entsolidarisierung" zur Folge habe, da die "Biomoral", also die Glücksdoktrin, vor allem auf die Formel "Jeder ist seines Glückes Schmied" hinauslaufe. Wer nicht glücklich ist, hat einfach nicht hart genug an sich gearbeitet. Der Erfolg von Coachings und Positiver Psychologie, für die Autoren "Instrumente des Neoliberalismus", sei Ausdruck dieser Entwicklung. Auch wenn Lenzen die von den Autoren angeführten Merkmale nicht auf den Großteil der Gesellschaft beziehen kann, hat sie dieses Buch offenbar mit Gewinn gelesen.
"Wellness-Fun ist ein Stahlbad" - diese Zuspitzung findet Rezensent Pascal Jurt mit den Autoren der vorliegenden Diagnose des Selbstoptimierungszeitalters durchaus stichhaltig: Die Disziplinierung der Gesellschaftsteilnehmer und deren Körper unter dem Postulat der Arbeitseffizienz und Fitness mit asketisch-moralischen Untertönen sei im vollen Schwang. Dass die beiden Autoren diesem Befund keine selbstzerstörerisch-exzessive Libertinage als aussichtsreiches Gegenmodell gegenüberstellen, hält der Kritiker ebenso für richtig - allerdings bleiben Cederström und Spicer eine handfeste Gegenoption seiner Ansicht nach dann doch schuldig. Fündig wird Jurt bei Foucaults "Sorge um sich selbst" und der Queer Theory, die in seinen Augen einen gangbaren Mittelweg anbietet. Dennoch, so Jurt, bleibe der Körper in gesellschaftspolitischer Sicht auch bis auf weiteres "schwieriges Terrain".
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