Carl-Wilhelm Reibel untersucht anhand einer Vielzahl lokaler und regionaler Quellen zunächst Aufbau und Struktur der NSDAP-Ortsgruppenorganisation zwischen 1932 und 1945 und ihre Entwicklung von der Propagandaplattform zum diktatorischen Machtapparat an der Basis. Verwaltung, Personalpolitik und Finanzgebaren der Ortsgruppen werden ebenso behandelt wie die ideologische Schulung der Funktionäre. Im zweiten Teil steht die Praxis der Ortsgruppen in der Spannung von Anspruch und Wirklichkeit im Mittelpunkt. Dieses Buch erweitert die Kenntnisse über das innere Gefüge und über das "Funktionieren" des Dritten Reiches wesentlich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.03.2003
Das Buch Reibels untersucht das Phänomen der untersten Organisationsebene der NSDAP und kommt zu dem Schluss, dass die Ortsgruppen nicht nur die "Basisarbeit für die Loyalität zum NS-Regime leisteten", sondern verschiedenste Aufgaben zu erledigen hatten, erfahren wir von Jürgen Zarusky. Unter anderem waren sie "Anlaufstelle für Denunzianten", sie sorgten für die erwarteten Wahlergebnisse mit Hilfe eines parteiinternen "Wahlschleppdienstes. Sie waren wesentlich beteiligt an der landesweiten "Judenverfolgung" und gegen Ende des zweiten Weltkrieges bedeutete ihre zentrale Aufgabe die "Stabilisierung der Heimatfront". Der emigrierte Politologe Franz Neumann hatte bereits 1944 "die Bedeutung der Partei für die Stabilität der Hitler-Diktatur" hervorgehoben und der NSDAP bescheinigt, "ohne die Partei würde Deutschland zusammenbrechen", berichtet der Rezensent und wundert sich über die "relativ geringe Beachtung", welche die aktuelle "öffentliche Diskussion" diesem Phänomen schenkt. Carl-Wilhelm Reibels leistet nun einen "soliden Beitrag" zu diesem Thema und beweist, dass die frühen Behauptungen Neumanns keine Übertreibungen waren, lobt Zarusky.
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