Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Eines Tages kommt man in die Situation des Reisenden, der auf der einen Seite des Zuges zum Fenster hinausschaut und dichte Wälder sieht, blühende Landschaften und himmlischen Frieden. Auf der anderen Seite aber sind Industriegebiet, kaputte Autoreifen, Öllachen und Bauschutt. Er fängt an zu schwitzen, zündet sich eine Zigarette an, während der Zug schon in den Bahnhof einfährt. Und während er durch das Fenster der einen Seite seine erste große Liebe sieht, die ihm lächelnd zuwinkt, wird er, weil er es nicht glauben kann, weil er eher an sich selbst zweifelt als an der Möglichkeit, dass sich genau hier für kurze Zeit die Alternative eröffnet, mit Sicherheit auf der vertrauten Seite bei den Autoreifen aussteigen. Und sich für den Rest seines Lebens darüber ärgern, diese wunderbare Gelegenheit verpasst zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000
Ute Stempel kann von Carlos Castán gar nicht genug bekommen. Der vorliegende Band, ein Erstlingswerk des nordspanischen Gymnasiallehrers, weist ihn als einen `geborenen großen Erzähler` aus, von dem noch viel zu erwarten ist, so Stempel. Cástans Erzählungen handeln von prosaischen` Gestalten wie untreuen Ehemännern, perspektivlosen Jugendlichen und verunsicherten Liebenden, referiert sie. Allesamt wünschen sie sich mehr Glück. Und durchleben immer wieder Schmerzhaftes, ohne aber ihre Träume und Sehnsüchte ganz aufzugeben. Der Rezensentin gefallen diese `poetisch verhalten inszenierten` Geschichten. Und sie freut sich, dass Castáns Erzählungen auf dem Land spielen, sie sich nicht `im Verstörungs- und Ekelbereich der Großstadt mit der heute üblichen Trotz- und Kotzhaltung verzetteln.` Gleich einem `meisterhaften Psychologen` sei es Cástan gelungen, das subtil Abgründige menschlicher Verlorenheit seiner `unheldischen Helden` in den Blick zu nehmen.
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