Bayern, Mitte der 30er Jahre. Als gegenüber vom Muttergottesbild ein Führerporträt hängt, wird dem kindlichen Erzähler bewusst, dass etwas in Bewegung gerät. Aber in seinem Heimatstädtchen wirkt es wie eine natürliche Ergänzung: zu den kirchlichen Umzügen gesellen sich die der Braunhemden. Erst nach Kriegsbeginn werden die neuen Zeiten auch für ihn bedrohlich, beim Lazarettdienst und in der Gebirgswacht. Dann besetzen die Amerikaner die Heimat, und immer ist der Junge mittendrin: passiv und doch zum Handeln gezwungen, ein radikal subjektiver Chronist. Die vermeintlich vertraute Geschichte einer Kindheit im Nationalsozialismus erzeugt in diesem autobiografisch geprägten Roman eine neue und eindringliche Leseerfahrung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.04.2016
Im Wesentlichen scheint Rezensent Hans-Peter Kunisch mit Viktor Niedermayers autobiografischem Roman zufrieden. Gespannt folgt der Kritiker Niedermayer durch seine Kindheit in Bayern während des Zweiten Weltkriegs, erlebt den späteren Sportpädagogen und Reporter als aufmüpfigen Jungen, der Mitglied der Partisanenjäger war und doch ein schwieriges Verhältnis zum Vater, einem Heeresoberlehrer beim Reiterregiment hatte. Auch die Schilderung der Nachkriegszeit hat dem Rezensenten gefallen, und so verdankt er diesem vielleicht nicht immer ganz "ausgegorenem" Roman in jedem Fall ein überzeugendes Zeitbild.
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