Carlos Fuentes

Unheimliche Gesellschaft

Sechs fantastische Erzählungen
Cover: Unheimliche Gesellschaft
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783100207524
Gebunden, 303 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Lisa Grüneisen. "Die Literatur ist eine Form des Exorzismus. Sie treibt die Dämonen aus, die wir in uns haben." (Carlos Fuentes) Engel und Dämonen, Gespenster und Vampire treiben ihr Unwesen mit schönen Frauen und selbstbewussten Männern. Schmal ist der Grat, der Leben und Tod, Diesseits und Jenseits voneinander trennt. Das Unheimliche kommt mit leichtem Schritt, und das alltäglich Vertraute verliert den Boden unter den Füßen. Carlos Fuentes erzählt mit subtiler Grausamkeit und anspielungsreicher Ironie. Sechs phantastische Erzählungen, sechs Variationen des Bösen. Die Mythen Mexikos bilden den Hintergrund dieser geheimnisvollen Geschichten, die auf einen ganz und gar unvorhersehbaren surrealen Showdown zulaufen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.01.2007

Carlos Fuentes' sechs Erzählungen über das Unheimliche haben Kersten Knipp ganz in ihren Bann gezogen. Bezwingend scheint ihm das Können des Autors auch in diesem Genre, lässt das Unheimliche doch kaum einmal auf einer Seite nach. Die Erzählungen, eine handelt etwa von den Nachfahren des Grafen Dracula, die heute in Mexiko-City ihr Unwesen treiben, scheinen Knipp stets beklemmend, bedrohlich, furchterregend. Aber der Band erschöpft sich seines Erachtens nicht im "dunkeln Schrecken", den Fuentes verbreitet. Knipp bewundert auch den "kulturellen Reichtum" des Buchs, wenn die bösen Geister der Vergangenheit - mexikanische Diktatoren, deutsche Faschisten, lateinamerikanische Revolutionen, der Dünkel der spanischen Eroberer, die Arroganz des europäischen Bildungsbürgertums - auftauchen und auf die Gegenwart einwirken.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.01.2007

Der 1928 geborene Mexikaner Carlos Fuentes unternimmt in den sechs Erzählungen eine subtile Spurensuche der verdrängten Geschichte seines Heimatlandes, lobt Ulrich Baron. Dabei gehe Fuentes nicht historisch vor, sondern beschwöre auf phantasmagorische Weise Geschehnisse und Motive aus der Alten und Neuen Welt herauf, die bis in die Zeit der Inquisition zurückreichen. Dabei werde "weniger die Ambivalenz des Phantastischen kultiviert, als das Übernatürliche Ereignis", so der Rezensent, etwa wenn der Autor die Graf-Dracula-Legende nach Mexiko verpflanze oder über die Gemeinsamkeiten des Wortes Haut und Film im Spanischen philosophiere. Schicht für Schicht, wie in alten Palimpsesten, finde Fuentes die versunkene Geschichte Mexikos in der Gegenwart wieder.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.12.2006

Grusel und Postmoderne passen nicht zusammen, lautet die Bilanz von Rezensent Eberhard Falcke. Seiner Ansicht nach wäre Carlos Fuentes besser beraten gewesen, hätte er sein Material "aus dem Fundus des Schauerrepertoires" einfach nur in die heutige Welt transportiert anstatt die Postmodernisierung einfach als Erlaubnis zu verstehen, so beliebig wie möglich daherzukommen. Denn Gespenstergeschichten, wie Fuentes sie vorlegt, müssten "auf bezwingende Art" daherkommen. Immerhin fühlt sich der Rezensent von den sechs Geschichten, in denen Grausamkeiten aus der Vergangenheit den gegenwärtig lebenden Protagonisten zu schaffen machen, gut unterhalten: "Viele verblüffende Wendungen" hat er gefunden, die den Leser überraschen, auch an "Schauereffekten" mangele es nicht. Trotzdem: Die oben angemahnte Zugkraft vermisst der Kritiker in jedem Fall.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006

Das Buch möchte Hans-Martin Gauger wärmstens empfehlen. All jenen, die den Autor noch nicht kennen (als Einstieg), und den Fuentes-Fans sowieso. Gauger schämt sich mitnichten seiner Bewunderung für die handwerkliche Tradition und das leicht Unmoderne dieses Textes, der 2004 auf Spanisch erschien. Warum auch. Die ehrwürdige Gattung der fantastischen Erzählung ist hier schließlich meisterhaft ausgeführt. Für Gauger bedeutet das eine gelungene Balance zwischen Konstruktion und Imagination, die Spannung erzeugt. Gelungen, meint er und klebt förmlich an den Seiten, die ihn mitunter unvermittelt vom Realistischen ins Obskure führen. Dass dies gelingt und noch dazu angenehm ist, liegt laut Gauger auch an der "zügigen" und "direkten" Sprache von Carlos Fuentes und der gelungenen Übersetzung.
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