Als Halbwüchsiger ist Teodor durch die rumänischen Dörfer gereist und hat sich von den abergläubischen Bauern Geschichten erzählen lassen. Nun kehrt er als erfolgreicher Mann aus dem Westen in seine Heimat zurück, um herauszufinden, ob er dort glücklicher geworden wäre. Und auch, um seine Jugendliebe wiederzufinden. Am Ende aller Straßen trifft er auf den blinden Masseur und seine Freunde. Teodor ist fasziniert von dem Ort, wo Patienten ebenso wie Bäuerinnen und sogar der Bürgermeister Werke der Weltliteratur auf Band sprechen. Doch nicht alle sind so gastfreundlich wie die schöne Elena, bei der er sich eingemietet hat. Schon bald gerät er in ein Netz aus Hinterlist, Korruption und Gewalt. Florescu lässt eine Welt entstehen, die ebenso unbarmherzig wie poetisch, ebenso schön wie verzweifelt ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2006
Niklas Bender zeigt zwar durchaus Respekt für die Erzählkunst des rumänischen Autors, schließlich sieht er den Roman "Der blinde Masseur" aber als missglückt an. Schon mit der Titelfigur rückt der Roman in gefährliche Nähe zur Unterhaltungsliteratur, meint der Rezensent, der zwar einzelne Episoden in dieser Geschichte um einen aus der Schweiz ins postkommunistische Rumänien zurückkehrenden Ich-Erzähler für ihre Buntheit und Kraft preist, die Konstruktion des Buches insgesamt aber nicht überzeugend findet. Irgendwann kippt die Schilderung eines bei aller Krudität durchaus poetisch anmutenden Rumäniens ins Alptraumhafte, und spätestens hier kann der Rezensent die Romanhandlung nicht mehr nachvollziehen. Am meisten stört ihn, dass die Motivation des Protagonisten, wieder nach Rumänien zurückzukehren und sich dort einem düsteren Schicksal zu ergeben, genauso ungeklärt bleibt wie seine Gefühle und Gedanken, was Bender vermuten lässt, dass auch dem Autor die eigene Stoßrichtung nicht recht klar war. Keine Frage, der Autor kann packend erzählen und verfügt über eine große Beobachtungsgabe fürs Zwischenmenschliche, versichert der Rezensent. Ein Romankonstrukt aber, das bis zum Schluss tragfähig ist, sei ihm mit dem "Blinden Masseur" nicht gelungen, so Bender enttäuscht.
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