Charlotte Roche

Mädchen für alles

Roman
Cover: Mädchen für alles
Piper Verlag, München 2015
ISBN 9783492054997
Broschiert, 240 Seiten, 14,99 EUR

Klappentext

Ihre Ehe? Horror. Ihr Kind? Egal. Ihre Zukunft? Rosig. Denn sie hat jetzt ein Mädchen für alles. Und einen ziemlich guten Plan.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.10.2015

Jens Balzer wählt harte Worte für Charlotte Roches neues Buch. Brutal langweilig fand er die Lektüre. Das Buch der "ehemaligen Musikfernsehmoderatorin" scheint ihm schlecht und spannungsarm geschrieben und die Story um eine ehe- und kindermüde Mutter auf Selbstfindungskurs beim gleichen Geschlecht hat für ihn nur einen spannenden Aspekt, den die Autorin seiner Meinung nach möglicherweise gar nicht erkennt. Balzer meint die Entkopplung von sexueller Transgression und Emanzipation, für die Roches Figur für ihn steht. Dass hier emanzipatives Potenzial von vornherein ausgeschlossen wird, kann sich Balzer nur mit einer raffinierten Dialektik erklären. Aber ist die Autorin zu solcher Raffinesse in der Lage oder ist sie reaktionär?, fragt Balzer polemisch.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.10.2015

Christine "Chrissi" Schneider, die Protagonistin in Charlotte Roches neuestem Roman "Mädchen für alles", ist Rezensentin Annabelle Seubert zutiefst unsympathisch. Chrissi ist in ihren Dreißigern, hat Kind, Mann, Haus und einen Hang zum depressiv-weltflüchtigen Serienkonsum. Als ihr das alles plötzlich auf den Geist geht, brennt sie mit der Babysitterin durch, umreißt Seubert den Plot, und natürlich geht es wieder viel und konkret um Sex. Doch die Rezensentin findet es eindeutig weniger spannend, eine spätpubertierende Dreißigjährige dabei zu beobachten als ihre jugendlichen Vorgängerinnen in Roches früheren Büchern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2015

Rezensent Christopher Schmidt lässt kein gutes Haar an Charlotte Roches drittem Roman "Mädchen für alles". Über "Eichhörnchen-Niveau" und Küchentisch-Psychologie kommt das Buch seiner Meinung nach nicht hinaus. Das findet er sogar schade, widmet sich das Buch doch einem aktuellen Thema: Der Unzufriedenheit und Überforderung junger Mütter. Leider muss der Kritiker jedoch feststellen, dass Roches Stilmittel, der Mix aus "regressiver Diddl-Maus-Sprache" und der Drastik des Erzählten hier nicht aufgeht: Denn die Alkohol und Drogen nicht abgeneigte, in Splatter-Kino-Fantasien ihre Eltern ermordende Protagonistin, die ganz nebenbei auch noch das Kindermädchen verführt, erscheint dem Rezensenten doch zu unsympathisch und belanglos, als dass er dem "Livestream" aus ihrem Hirn irgendetwas abgewinnen könnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2015

Mit "Mädchen für Alles" schließt Charlotte Roche ihre Trilogie über den weiblichen Körper in der Gesellschaft ab, hofft jedenfalls Rose-Maria Gropp, die sich merklich sattgelesen hat an der neurotisch-narzisstischen Nabelschau. Wie die Autorin in ihrem neuen Roman mit "vorsätzlicher Kunstlosigkeit" die infantilen (Selbst-)Zerstörungsphantasien ihrer unsympathischen Protagonistin ausbreitet, erweckt bei der Rezensentin den "Eindruck kommerziellen Kalküls". Langatmig und insgesamt schwer erträglich das Ganze, ächzt Gropp.
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