"Man ist nicht umsonst Philologe gewesen, man ist es vielleicht noch" - Nietzsches Bekenntnisse zur Philologie sind zahlreich. Auf der Grundlage von Quellenstudien beschreibt die Abhandlung Nietzsches tiefe Prägung durch die historisch-kritische Methode der Bonner Schule. Um Philosoph zu werden, musste er sich nicht, wie bisher angenommen, von der Philologie lösen, sondern sprach ihr gerade im Spätwerk eine zentrale Rolle zu. Diese Einsicht führt zur Neubestimmung von Begriffen wie Text, Genealogie, Interpretation, Perspektivismus und zur Zurückweisung herrschender Auffassungen der Wissenschaftsgeschichte, der Hermeneutik und des Dekonstruktivismus. Die Studie endet mit einem von Nietzsche ausgehenden, historisch begründeten Plädoyer für die skeptisch-philologische Literaturwissenschaft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005
Die literarische Intelligenz, behauptet Heinz Schlaffer, spaltet sich in zwei Gruppen: in die Philologen, die mit ihrer Belesenheit angeben, und die Literaten, die damit angeben, nie ein Buch gelesen zu haben. Nietzsche war erst Philologe und später ein Dichter, der sich über die Akademiker lustig machte; trotzdem - so lautet nach Schlaffer die spannende These des Buches von Christian Benne - sei Nietzsche der Philologie immer treu geblieben. Die Philologie jener Zeit meint die historisch-kritische Herangehensweise an Texte der Antike, die Nietzsche allgemein auf die Gegenstände und Gesamtheit der europäischen Kultur übertragen haben soll. Soweit so gut, pflichtet Schlaffer bei, doch begnüge sich Bennes Studie nicht mit diesem Nachweis, den dieser allerdings überzeugend leistet. Benne plädiere außerdem für eine im Trend liegende "Rephilologisierung" der Literaturwissenschaft, der Schlaffer nicht vorbehaltlos zustimmen mag. Wer bringt denn heute schon noch das Handwerkszeug mit, fragt er: die Kenntnis des Lateinischen und Griechischen? Nicht mal der Autor selbst, unkt er, denn antike Dichtungen kämen in Bennes Buch gar nicht zu Wort. Das "Lob der klassischen Philologie" könnte also einer "romantischen Phantasie geschuldet" sein, vermutet Schlaffer.
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