Nach "Allein unter 1,3 Milliarden" und "Bliefe von dlüben" ist "Im Jahr des Tigerochsen" das dritte China-Buch von Christian Y. Schmidt. Zum größten Teil beruht es auf Kolumnen, die auf der "Wahrheit", der Satireseite der taz, erschienen sind. So geht es auch in diesem Buch ebenso komisch zu wie lehrreich. Der Autor legt Zeugnis davon ab, wie sich Seehofer in Peking zum Horst macht, begegnet chinesischen Multimillionären, deutschen Staatssekretären und dem Pekinger Fußballorakel.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.05.2011
Bestens unterhalten hat sich der Sinologe Tilman Spengler bei der Lektüre von Christian Y. Schmidts Berichten aus der chinesischen Hauptstadt. Das Buch des mit seiner chinesischen Frau in Peking lebenden Autors basiert auf Kolumnen für die taz; dem Rezensenten bot es einen witzigen Blick auf das Leben im Reich der Mitte. Zutage traten für ihn eine Menge kultureller Differenzen, die ihn aber eher "zum Schmunzeln als zum Erschrecken" animierten. Dies gilt in seinen Augen allerdings nicht uneingeschränkt, denkt man etwa an die täglichen Schikanen und Bespitzelungen der Bürger in China. Dass Schmidt sowohl über Erfolge der Regierung als auch über die Verletzung von Menschenrechten berichten kann, ohne in "moralische Empörung" zu ergehen, gefällt Spengler besonders, wie er mit einem Seitenhieb auf die Solidarität für Ai Weiwei betont. Nicht ganz so glücklich ist er mit mancher "gefallsüchtigen Verkürzung", die sich Schmidt leistet, sowie mit der ausgeprägten Tendenz des Autors, sein Ich - wenn auch selbstironisch - immer wieder ins Zentrum zu rücken.
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