Christiane Rösinger ist Musikerin, Kreuzbergerin und Großmutter. Von ihr aus könnte das immer so weitergehen, wären da nicht das Älterwerden und die Geldsorgen. Das Altern lässt sich nicht aufhalten, aber um ein bisschen was zu verdienen, beschließt Christiane, einen Altersratgeber zu schreiben. Ohne Illusionen, dafür mit Power. Ein energischer Aufruf, sich nicht länger gefallen zu lassen, wie die Gesellschaft mit Frauen umgeht, die nicht mehr jung sind. Dabei ist es gar nicht so einfach, selbst eine entspannte Haltung zum Altwerden zu finden. Das zeigen schon die Gespräche mit den Freundinnen, deren unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen: Da sind die Hundefrau, die Selbstoptimiererin, die Aufs-Land-Zieherin. Weit und breit kein positives Role Model. Wo sind die Vorbilder? Und vor allem: Was hilft alles, wenn man sich plötzlich in der Stroke Unit im Krankenhaus wiederfindet?
Hat Christiane Rösinger einfach nur einen weiteren Ratgeber für alternde Frauen geschrieben, wie es derzeit allzu viele gibt? Keineswegs, stellt die begeisterte Rezensentin Gisa Funck klar. Rösingers Buch besticht durch eine selbstironische Schreibweise und lebensfrohe Grundhaltung. Wenig hält die Autorin von den immer neuen Ansprüchen, mit denen Frauen konfrontiert werden, um in den Augen der Welt ja nicht zu schnell zu altern. Von anstrengender Selfcare zum Beispiel hält Rösinger gar nichts, stattdessen empfiehlt sie Frauen im fortgeschrittenen Alter, sich einfach nicht mehr darum zu kümmern, was Männer von ihnen halten. Diese Punk-Attitüde, die Altern letztlich als eine Chance für einen freieren Lebenswandel begreift, gefällt der Rezensentin ganz besonders.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2026
Christiane Rösinger hat, freut sich Rezensentin Marie Schmidt, ein authentisches Buch über das Altern geschrieben. Die Popmusikerin Rösinger hält nicht viel vom heteronormativen Pärchen-Lebensmodell, beschreibt aber gleichzeitig, dass mit Freundinnensolidarität im Alter oft auch nicht viel los ist. Interessiert blickt Rösinger, das gefällt Schmidt besonders, nicht nur auf ihr eigenes Leben, sondern auch auf andere Alte, gerade auch auf sozial schwächere und beschreibt, wie die Städte unserer Gegenwart immer altenunfreundlicher werden. Sie schreibe sich damit in eine Tradition des Nachdenkens über vor allem weiblichen Alterns ein, die bis zu Simone de Beauvoir und Susan Sontag zurückreicht. Ein Buch, das dabei helfen kann, auf gute, lebendige Art zu altern, so das enthusiastische Fazit.
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