Christoph Ernst

Den Wald entwickeln

Ein Politik- und Konfliktfeld in Hunsrück und Eifel im 18. Jahrhundert
Cover: Den Wald entwickeln
Oldenbourg Verlag, München 2000
ISBN 9783486565102
Gebunden, 408 Seiten, 65,45 EUR

Klappentext

Der Umgang mit dem Wald im 18. Jahrhundert wird oft vereinfacht dargestellt: Es herrscht das Bild von Landesherren vor, die mit klugen Forstgesetzen den Wald vor Übernutzung schützen wollten, aber einer uneinsichtigen Landbevölkerung gegenüberstanden, die mit ihrem Vieh und Brennholzbedarf die Baumbestände ruinierte. Ernst hinterfragt diese gängige Auffassung mit einer Fallstudie über Holzproduktion, Landwirtschaft und Jagd in den Mittelgebirgen Hunsrück und Eifel und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die existentielle Herausforderung der damaligen Zeit, die Waldentwicklung gesellschafts- und naturverträglich zu gestalten. Erstmalig erkennen wir dadurch das vielschichtige, multipolare Politik- und Konfliktfeld Waldentwicklung: Forstgesetze waren oft genug schlicht Ergebnis innerobrigkeitlicher Händel. Nachhaltigkeit und Holznot interessierten die Obrigkeit vornehmlich, um im Schatten dieser Begriffe die Waldbestände planmäßig "versilbern" zu können. Doch vor Gericht opponierte die Landbevölkerung kenntnis- und auch erfolgreich gegen dieses Doppelspiel. Damit kann Ernst beispielhaft für das Waldwesen die Wechselwirkungen zwischen Obrigkeit und Untertanen einerseits, Realität und Rhetorik andererseits herausarbeiten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2001

Nicht für jedes Informationsbedürfnis des Lesers sei die Arbeit des Historikers Christoph Ernst über die Waldentwicklung in Eifel und Hunsrück des 18. Jahrhunderts geeignet, schreibt Hansjörg Küster. Zwar sei die Einteilung nach drei Waldnutzungsarten (Holzproduktion, Landwirtschaft, Jagd) historisch einleuchtend, jedoch sei es nur schwer möglich, zielgerichtet bestimmte Waldregionen aufzufinden. Auch das Register helfe da nicht. Ein weiterer Mangel sei die fehlende Definition von Wald (Waldbestand oder freie Fläche?), die vermutlich auch das Problem der ständig prozessierenden Waldnutzer im 18. Jahrhundert gewesen sei. Die Arbeit sei ein "mit großem Fleiß zusammengetragenes Kompendium", schreibt der Rezensent, aber ob der Wald vor zwei Jahrhunderten "Realität oder ein Wunschbild" war, bleibe offen.

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