Christoph Wimmer

Alles muss man selber machen

Zur Geschichte der Rätebewegungen, von der Pariser Kommune bis Rojava
Cover: Alles muss man selber machen
Karl Dietz Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783320024345
Broschiert, 320 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Ob in den Straßen von Paris 1871, den Fabriken Petrograds 1917, den Städten und Dörfern Nordsyriens oder im Urwald von Chiapas - überall entstanden im Zuge von sozialen Konflikten und Aufständen Räte: Selbstorganisierte Zusammenschlüsse in allen gesellschaftlichen Bereichen, die nicht nur protestieren, sondern beginnen, das gesamte Leben neu zu gestalten. Christopher Wimmer erzählt, wie solche Bewegungen entstehen, wie sie funktionieren - und woran sie oft auch scheitern. Er zeigt an unterschiedlichen historischen Beispielen, wie Menschen Schulen und Krankenhäuser selbst verwalten, wie sie Entscheidungen im Kollektiv treffen, Güter verteilen, Streit schlichten, sich verteidigen - ohne zentrale Regierung oder Staat. Dieses Buch bringt Geschichte zum Sprechen: mit Geschichten von Mut, Hoffnung, aber auch Niederlagen. Es fragt, was wir von den Rätebewegungen vergangener und heutiger Tage lernen können - für eine selbstverwaltete und demokratische Gesellschaft, die nicht nur auf dem Papier steht, sondern im Alltag gelebt wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2026

Rezensent Haziran Zeller erfährt bei Christopher Wimmer, wie die Errichtung von Gesellschaften vor sich geht - aus Graswurzelsicht. Der alineare Aufbau des Bandes gefällt Zeller. Von Kurdistan führt ihn der Autor in die Pariser Kommune und weiter zu den russischen Revolutionären und zum Sturz der Hohenzollern, immer die Rolle sozialistischer Räte im Blick. Allerdings weiß Zeller, dass Selbstverwaltung noch viel älter ist. Sehr gelungen scheint ihm das Buch, wenn der Autor auf die Probleme sozialistischer Organisation zu sprechen kommt, auf Selbstsucht als Bremsklotz im Maschinenraum der Selbstorganisation.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 17.12.2025

Rezensent Constantin Hühn lässt sich gern von Christoph Wimmer die Räteherrschaft erklären. Beziehungsweise Geschichten von Räteherrschaft, denn Wimmer legt hier, lesen wir, weniger eine Gesamtdarstellung dieser politischen Organisationsform, die auf basisdemokratischen Wahlen rotierender Vertreter in Kollektiven basiert, vor, als dass er einzelne historische "Räte-Episoden" beschreibt, von der Pariser Kommune 1871 über diverse weniger bekannte Räte-Herrschaften etwa in Afrika und Lateinamerika bis zur jüngsten Etablierung eines Räte-Systems in Rojava. Hühn erfährt von Wimmer, dass Räteregierungen oft erstaunlich erfolgreich waren, zum Beispiel in wirtschaftlicher Hinsicht, wobei es auch wiederkehrende Probleme gibt, darunter der Widerspruch zwischen Basisdemokratie und notwendiger Expertise. Teils beschränkt sich das Buch zu sehr auf die bloße Nacherzählung dieser Episoden, anstatt dieselben analytischer zu beschreiben, moniert der Rezensent, der freilich schon die bloße Menge an Räteherrschaften über die Zeiten hinweg beeindruckend findet. Dass Räteherrschaft ein Allheilmittel für moderne Gesellschaften ist, glauben weder Wimmer noch Hühn, letzterer hält das besprochene Buch dennoch für einen wichtigen Beitrag zur Debatte über die gegenwärtige Krise der Demokratie.

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