Mit 84 Duotone-Tafeln. Mit Texten von Cindy Sherman und Peter Galassi. Die ersten Arbeiten, mit denen Cindy Sherman (geb. 1954) in der internationalen Kunstwelt von sich reden machte, waren ihre "Untitled Film Stills", eine Serie von insgesamt 84 Schwarzweiß-Aufnahmen, die in den Jahren zwischen 1977 und 1980 entstanden. Sie gelten inzwischen als Klassiker ihrer Art - das Frühwerk einer Künstlerin, deren Ausdrucksmittel die Fotografie und deren künstlerische Methode die Selbstinszenierung ist. Ihr Spiel mit wechselnden Identitäten, die niemals ihre eigene Person meinen, fand in den "Film Stills" einen ersten brillanten Höhepunkt: Eine Bildgattung, die als Inbegriff heutiger Trivialkultur bezeichnet werden kann - Standfotos aus Filmen, wie sie jeder von den Schaukästen der Kinos kennt -, wird in Cindy Shermans autistischen Projektionen zu einer ebenso intelligenten wie vielschichtigen Reflexion über die psychische Befindlichkeit des Menschen im Medienzeitalter.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.06.2004
Längst sind sie zum Klassiker avanciert, Cindy Shermans legendäre Film-Foto-Bilder. Und vor ein paar Jahren hat auch das MoMA getan, was zu tun es zur rechten Zeit versäumt hatte: nämlich das Frühwerk aufzukaufen. Unter MoMA-Lizenz läuft nun auch diese Neuausgabe, die einerseits, wie Ulf Erdmann Ziegler etwas irritiert feststellt, ganz und gar nicht gewillt ist, sich in der Abfolge der Bilder an die übliche, von der Fotografin selbst vorgegebene Nummerierung zu halten. Und andererseits werde auch in den nun zusätzlich zu sehenden Bildern den bekannten Fotos nichts anderes hinzugefügt als Einblick in die "Fotogenese". Interessant findet das Ziegler allemal, schon der Distanz der Künstlerin zum eigenen Werk wegen. "Es macht schon Vergnügen", meint er, "Sherman - nun fünfzig Jahre alt - beim Auspacken ihrer Twen-Garderobe zuzusehen."
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