Colum McCann

Der Tänzer

Roman
Cover: Der Tänzer
Rowohlt Verlag, Reinbek 2003
ISBN 9783498044763
Gebunden, 474 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Dieses Buch nähert sich einem berühmten Mann: dem Tänzer Rudolph Nurejew, Lichtgestalt des modernen Balletts, kaum sichtbar in all seinem Glanz. Die Lebensdaten sind bekannt, doch McCann interessieren sie nur am Rande. Er lässt den Menschen vor dem Hintergrund seiner Zeit erstehen: diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs. Kalter Krieg und Erstarrung auf der einen, rauschendes Kultur- und Partyleben auf der anderen Seite. Wie in einem lyrisch choreographierten Tanz nähert McCann sich Nurejew, entfernt sich wieder, um ihn erneut zu finden, zu berühren.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.01.2004

Katrin Bettina Müller hat gemischte Gefühle bei diesem clever konstruierten Roman über einen Tänzer, als dessen historisches Vorbild unschwer Rudolf Nurejew zu erkennen sei. Einerseits gefällt ihr, wie die Erzählperspektiven aufgebaut werden. Da verschiedene Erzähler aus verschiedenen Abschnitten von Nurejews Leben erzählen, umgehe der Autor "elegant das Problem, die legendäre Figur Nurejews aus einem Guss erschaffen zu müssen, und lässt den Star ganz eine Projektionsfläche unterschiedlicher Wünsche sein". Zudem beherrscht der Autor ihrer Meinung nach die "Klaviatur der Gefühle". Auch das Kapitel, das eine "orgiastischen Nacht" behandelt, findet Müller sehr beeindruckend. Hier versuche der Autor wie einst James Joyce "mit der Ökonomie der erotischen Verschwendung die Sprache selbst zum Überfließen zu bringen". Doch genau das, was die Rezensentin an dem Roman faszinierend findet, nervt sie dann auch: "diese Mischung zwischen dem Sentimentalen und dem Geilen ist auch das Ärgerliche an diesem erfolgreichen Roman".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.09.2003

Als einfach "genial" bezeichnet der Rezensent Yaak Karsunke den Roman von Colum McCann, welcher stark an den Lebensweg des russischen Balletttänzers Rudolf Nurejew angelehnt sei. "Bewundernswert" und "erstaunlich" findet der Rezensent vor allem die vom Autor inszenierte "kunstvolle" Verknüpfung von "Realität und Imagination". Natürlich ginge es im Buch primär um eine Aufarbeitung biografischer Daten des Ballettkünstlers. Beeindruckend findet Karsunke aber, wie es McCann gelungen sei, daraus ein "polyphones Geflecht" zu konstruieren, welches sich aus den verschiedenen Quellen verschiedener Personen, die Nurejews Lebensweg kreuzten, speise. Der biografische Pfad des Tänzers würde danach anhand von Geschichten anderer nachgezeichnet, die nur "vermittelt mit Nurejews Entwicklung zu tun hätten", wie der überzeugte Rezensent feststellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.08.2003

Dies ist nicht das Leben des Rudolf Nurejew, und ist es wiederum doch, schreibt der Rezensent H. G. Pflaum. Denn selbst wenn Colum McCann zu Eingang seines Romans deutlich macht, dass es sich um "reine Fiktion" handelt, so geben sich gemäß T. S. Eliot "was war und was hätte sein können" am Ende die Hand. McCanns Roman nach Detailtreue zu beurteilen mache demnach keinen Sinn und ziele am Werk vorbei, befindet Pflaum. Ob die Figuren echt oder fiktiv sind, sei denn auch nicht von Bedeutung, dagegen zähle wie sehr McCann es gelinge, durch verschiedene "Blickwinkel" immer andere Facetten von Nurejews "schwieriger Persönlichkeit" zu erhaschen. Faszinierend an McCanns Roman findet Pflaum die sowohl "sprachliche" als auch emotionale "Leidenschaft", mit der Nurejews Zerrissenheit zum Ausdruck gebracht wird. McCann zeichne Nurejews Leben als Passion, deren Leidensstationen nicht enden wollen, und die sich fast zu einem "Künstlerbild der Romantik" zusammenfügen, mit dem Unterschied, dass Nurejew seine "dunklen Nachtseiten" vollkommen auslebe. McCann gelinge es, Nurejew in seiner "heillosen Zerrissenheit verständlich" zu machen, ohne dabei das Genie auseinander zu nehmen. "Quälend intensiv" schildere McCann vor allem "die Zeichen des nahenden Endes", lasse den Roman jedoch vor dem Tod des Tänzers enden und belasse ihn damit im "Mythos".

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