Aus dem Amerikanischen von Benjamin Schwarz. Viele Geschichten in "Tanz zu später Stunde" erzählen vom jähen Einbruch der Gewalt in die alltägliche amerikanische Lebenswelt. Etwa in die der Familie Girard, als der zehnjährige Kenneth aus Versehen den Freund seiner siebzehnjährigen Schwester erschießt, weil er ihn für einen Einbrecher hält. Oder in die von LuAnn Briggs, die nach dem Einkaufen von zwei obskuren Halbstarken verfolgt wird. "Tanz zu später Stunde" ist der erste Band Short Stories von Andre Dubus nach seinem Unfall 1986. (Er hatte den Insassen eines liegengebliebenen Fahrzeugs helfen wollen und war von einem vorbeifahrenden Auto erfasst worden, seither ist er an den Rollstuhl gefesselt).
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.02.2001
Hermann Wallmann kommentiert mehr als er kritisiert. Seiner Rezension liegen eine ganze Reihe von Zitaten aus den vierzehn Erzählungen des amerikanischen Schriftstellers André Dubus zugrunde. Allen Stories sei eine existentielle, wenn nicht sogar religiöse Grundstimmung gemeinsam. Der Rezensent führt das auf einen schweren Unfall des Autors im Jahr 1986 zurück, in dessen Folge er bis zu seinem Tod 1999 an den Rollstuhl gefesselt war. "Verzückungen", spirituelle Epiphanien und verzweifelte Gewissheiten von Gnade, Schutz und Erlösung ziehen sich durch alle Geschichten, so Wallmann. Das klingt nach einem sentimentalen Plädoyer für eine unio mystica, ist es aber nicht, behauptet der Rezensent. Die Geschichten hätten eine eigene Überzeugungskraft. Deutschsprachige Schriftsteller und Leser hätten mit Dubus eine echte Chance, das Erzählen zu entdecken, lautet Wallmanns Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2000
Nach Helmut Winters Ansicht sind diese Kurzgeschichten des Autors von einer "größeren Sensibilität" geprägt als seine früheren Werke. So scheine es Dubus viel stärker zu gelingen, "in sich und seine Figuren hineinzuhorchen". Nach Winter liegt das unter anderem an der Thematik, denn Dubus` Thema ist in diesen Geschichten vor allem die Angst. Angst vor Einsamkeit, vor "den eigenen Stimmungen, vor dem Eindringen von Fremden". Und gerade dies mache das Fesselnde seiner Erzählungen aus, da sich das Gefühl durchaus auch auf den Leser übertrage. Winter betont dabei vor allem das Authentische, die "emotionale Ehrlichkeit", die seiner Ansicht nach nicht oft in diesem Genre anzutreffen ist. Zwar weiß der Rezensent auch einige Schwächen aufzuzählen, so etwa die "religiösen Exkurse" oder Anflüge von Sentimentalität. Dennoch üben die Erzählungen auf ihn einen Sog aus, dem er sich nur schwer entziehen könne.
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