Mit zahlreichen farbigen Abbildungen. Aus dem Spanischen von Peter Schwaar. Wie kaum eine andere europäische Metropole hat Barcelona in den letzten Jahrzehnten den Stadtreisenden angezogen, den Flaneur mit wachem Blick, den die Stadt als ein lebendiges Ganzes interessiert - wo der architektonische Reichtum nur ein Ausdruck des pulsierenden Drangs ist, in der Gegenwart zu leben. Barcelonas ungebrochene Vitalität, die das Alte kontinuierlich in ein Lebensgefühl für das Neue einbettet, ist am stärksten in den Zeugnissen aus der Epoche des katalanischen Modernisme zu finden, in der die Stadt regelrecht explodiert ist. Zwischen der Weltausstellung von 1888 und dem Ersten Weltkrieg erlebte die "unspanischste Stadt Spaniens" abseits der politischen Turbulenzen einen ungeheuren ökonomischen Aufschwung. Intellektuelle Widerspenstigkeit und erstarktes bürgerliches Selbstbewußtsein, Innovationen in den Künsten, radikale Änderungen im Verhaltenskodex, krasse soziale Ungleichheiten - Barcelona erfuhr den Umbruch zur Moderne früher und bewußter als manch andere europäische Großstadt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2006
Ganz hingerissen zeigt sich Rezensent Paul Ingendaay von Cristina und Eduardo Mendozas Kultur- und Sozialgeschichte Barcelonas, die nun in einer ausgezeichneten Übersetzung von Peter Schwaar vorliegt. Er würdigt die Autoren als "kritische Liebhaber" Barcelonas, die ihre Stadt "angenehm weltläufig" und "lässig" im Tonfall vorstellen. Dabei hat er eine Menge über die Stadt gelernt, über ihre großen Baumeister wie Gaudi, Künstler wie Picasso, Dichter, Opernliebhaber, Modernitätsbesessene, über die selbstbewusste Konkurrenz zu Madrid, und über ihre Rolle als Motor der spanischen Modernisierung in Industrie, Handel und den Künsten. Darüber hinaus findet Ingendaay in dem Werk eine "glänzende Alltags- und Mentalitätsgeschichte in Miniaturen", die auf zahlreiche Kardinalfragen des iberischen Gemüts Antworten gibt. Mit hohem Lob bedenkt er schließlich die luxuriöse Gestaltung des mit üppigem Bildmaterial ausgestatteten Bandes. Sein Urteil: ein "Juwel".
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