Montserrat Roig

Als wir von den Kirschen sangen

Die Barcelona-Trilogie
Cover: Als wir von den Kirschen sangen
Antje Kunstmann Verlag, München 2024
ISBN 9783956146022
Gebunden, 320 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Ursula Bachhausen und Kirsten Brandt. Ein vor den Kulissen eines pulsierenden Barcelona erzählter Roman über politische und persönliche Träume und eine Generation, die danach strebt, die Geister der Vergangenheit hinter sich zu lassen und ihren Platz in einer sich verändernden Welt zu finden. Natàlia Miralpeix hat Spanien nach der Niederschlagung der Studentenrevolte Anfang der 1960er-Jahre verlassen. Zuerst ging sie nach Paris, wo sie den Mai 1968 erlebte, danach nach England. Nun, zwölf Jahre später, aufgerüttelt von den Neuigkeiten, dass der Anarchist Salvador Puig Antich vom Franco-Regime hingerichtet wurde, kehrt sie zurück nach Barcelona. Veränderung liegt in der Luft: Franco ist zwar noch an der Macht, aber die junge Generation schreibt Gedichte, hört Jimi Hendrix und träumt von einer freieren Zukunft. Die ältere Generation hingegen trägt die verborgenen Wunden des Bürgerkriegs und ihre vereitelten Träume mit sich herum. Dazu gehört auch Natàlias Familie, dieser Clan aus der bürgerlichen Mittelschicht, der durch Heirat und Geschäftsbeziehungen seit Jahrzehnten mit den regimetreuen Ventura-Clarets verbunden ist. Doch Natàlia weiß, dass sie sich ihrer Vergangenheit stellen muss, um sich davon befreien zu können und bereit zu sein, für eine neue Zeit.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 29.11.2024

Historische Ereignisse anhand privater Schicksale greifbar machen - das ist das Grundprinzip auch des zweiten Romans aus Montserrat Roigs Barcelona-Trilogie, die hier durchaus auch aus eigenen Erfahrungen schöpft, verrät Rezensentin Katharina Döbler. Wie ihre Protagonistin Natàlia gehörte auch Roig zu jenen höheren Töchtern, die in der Endphase der Franco-Diktatur gegen den "bleiernen, patriarchalen Katholizismus rebellierten", wie Döbler es ausdrückt. Doch die Perspektive Natàlias, der heimkehrenden Exilantin, die in Paris und England bereits erfahren hat, wie es sich selbstbestimmt lebt als Frau, ist nur eine von mehreren. Ihr stellt Roig weitere Figuren zur Seite, deren Sicht auf die Familie, die Stadt, die Gesellschaft dieser Zeit sie laut Döbler mit wenigen Worten und dennoch eindrucksvoll und präzise zu schildern weiß. So gelingt es der 1991 verstorbenen Autorin und Aktivistin, ihre Leserinnen und Leser in das Barcelona der 1970er Jahre zu versetzen, und das Klima, die Stimmung der Stadt spürbar zu machen, lobt die mitgerissene Rezensentin.

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