In Zeiten steigender Baupreise, immer deutlicheren Klimawandels und drohender sozialer Ungleichheit stehen Städtebau und Architektur an einem Wendepunkt. Stimmen aus der Bauwirtschaft, der Politik und der Forschung widmen sich in diesem Grundlagenband der dringenden Notwendigkeit eines Umdenkens in der Baupolitik Deutschlands. Von der Übernutzung von Ressourcen bis zur kritischen Frage, wie wir zukünftig mit Neubauten umgehen - acht Autoren und Autorinnen analysieren existierende Paradigmen und zeigen auf, welche innovativen Ansätze möglich sind, um Wohnraummangel zu bekämpfen und zugleich Klimaziele zu erreichen. Mit sachlichen Argumenten plädieren sie für eine verstärkte Fokussierung auf Bestandspflege, Umnutzung und nachhaltige Baupraktiken. Sie fordern ein Umdenken in den Eigentumsrechten und eine aktivere Integration von Fachwissen in die politische Debatte. Anhand konkreter Vorschläge und Modelle wird klar, dass eine Lösung nicht allein im klimagerechten Neubau liegen kann. Die effizientere Nutzung des bereits vorhandenen Gebäudebestands muss zur Selbstverständlichkeit werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2025
Mit großem Interesse liest Rezensent Michael Mönninger diesen von dem Berliner Architekten Philipp Meuser und dem grünen Baupolitiker Kassem Taler Saleh herausgegebenen Band, der ein dringendes Umdenken in der Architekur fordert. Allein in Deutschland enstehen jährlich zweihundert Millionen Tonnen Bau- und Abrissabfälle, erfahren wir. Entsprechend wichtig ist es Umbau gegen Abriss durchzusetzen, was an aktuellen Baugesetzen und Vorschriften scheitert, wie die Architektin Elisabeth Broermann in einem Beitrag darlegt. Auch über Reformen der Wohnpolitik denken die Beiträger nach: Meuser etwa plädiert für Kleinstwohnungen mit der Option auf Selbstbau in Eigenleistung, der Wohnungsökonom Daniel Fuhrhop etwa denkt über generationenübergreifendes Homesharing nach. Lesens- und bedenkenswert findet der Kritiker das.
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