Ein Ort, der unter Wasser steht, nur in den oberen Teilen der Gebäude können Menschen leben. Zwei Taucher, die versuchen, in den Tiefen des Gewässers Überbleibsel der Vergangenheit zu bergen. Und unzählige Vorkommnisse mit anarchistischen Kindern und bedrohlichen Welsen, bei denen sich alle fragen: was ist überhaupt noch Realität?In "Wenn die Welse kommen" ist nichts mehr so, wie es einmal war: Sintflutartige Regenfälle und in den Bergen eingebrochene Dämme haben die Stadt, die an das einstige Genf erinnert, komplett überflutet. Nur noch vereinzelte Inseln und aus dem Wasser hervorragende Türme bieten den wenigen Zurückgebliebenen einen Lebensraum. Ab und zu hört man den Alarm: Die Welse kommen. Doch nur die Kinder wissen: Eigentlich sind die gar nicht so unheimlich.
"Die große politische Ratlosigkeit", wie der Übergang in eine ökologischere Gesellschaft funktionieren soll, spiegelt sich für Rezensent Samuel Hamen in diesem Buch des Schweizer Literaturkollektivs "Elen fern" wieder, das der Kritiker mit wenig Begeisterung bespricht. Es spielt im Genf einer dystopischen Zukunft, das seit der Apokalypse unter Wasser steht. Hauptfiguren sind die Taucher Salǒmon und Boris, "Schatzsucher, Hehler und Bergungsarbeiter" in den versunkenen Ruinen der Stadt, so der Kritiker. Außerdem spielen Schwärme von Welsen eine Rolle, die die Stadtbewohner regelmäßig angreifen sowie eine Kinderbande, die sich am Ende brutal an den Erwachsenen rächt, die die Welt haben zu Grunde gehen lassen. Leider wandeln die Autoren auf den ausgetretenen Pfaden vieler anderer Klimaromane, findet Hamen: der kaputten Welt des Anthropozäns steht eine utopische naturnahe Idylle gegenüber, deren Ursprünglichkeit am Ende auch zur Selbstfindung von Salomon und Boris beiträgt - leider wird hier auf die psychologische Nachvollziehbarkeit ihrer Wandlung verzichtet. Seltsam findet der Kritiker außerdem, dass die AutorInnen "eine terroristische Disruption", die Rache der Kinderbande, als Mittel anführen, um der alten Ordnung endgültig den Gar auszumachen. Leider kann Hamen hier also keine Empfehlung aussprechen.
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