Da will eine Frau einfach Schreibende sein, Kunst genießen, Sinnlichkeit kultivieren, Gespräche führen und Wein trinken, sich einkuscheln, reisen, Literatur schaffen. Die Realität hat aber leider noch ein Wörtchen mitzureden - Deadlines drohen, Begriffe entgleiten, Geld will verdient werden, der leidige Abwasch wartet, man wird mit falschem Namen vorgestellt und liest ohne Honorar vor einer Handvoll Freunden. Was macht nun diese Frau daraus? Gedichte natürlich. Sie präsentiert den Augenblick mit all seiner sanften Schönheit und geballten Dramatik, feiert das Überraschende, arrangiert sich mit fehlenden Buchstaben und ist "die Fürstin auf meinem Balkon". Denn auch wenn die Inspiration sich ziert und die unerbittlich vergehende Zeit einem Angst einjagt, gibt es "ab und zu echte Hochstimmung".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.06.2026
Rezensent Björn Hayer erkennt in Daniela Chanas Versen eingängige sowie virtuose Dichtung für jeden. Ein Kompliment, zu dem Hayer gelangt, indem er einerseits die Gegenwärtigkeit der Themen in den Texten (Trennungsschmerz, Alltagsstress, Verlangen nach Stille und Traum: "Will mich aus den Augen verlieren / Aber ich bin nie ohne mich") und andererseits die miniaturartige Lakonie der Gedichte und ihren mitunter berührenden "persönlichen Duktus" feststellt, der aber immer wieder Identifikationsangebote an den Leser macht, wie Hayer betont.
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