Was heißt es, ein Leben zu führen, wenn man nicht mehr an ein Leben nach dem Tod glaubt? Was bedeutet eine götterlose Welt auch für unser Verhältnis zueinander und zur Natur, die in Kawassers Gedichten immer gegenwärtig ist? Ausgehend vom Lehrgedicht De rerum natura (Über die Natur der Dinge) des römischen Dichters Lukrez beschäftigte sich Kawasser mit der Philosophie des Griechen Epikur, die eine Weltsicht entwirft, in der die Götter keine Rolle mehr spielen.Vor diesem Hintergrund besuchte er die etruskischen Nekropolen Tarquinia und Cerveteri und fand dort in wohnhausähnlichen Grabkammern Wandmalereien vor, die den Menschen selbst im Angesicht des Todes als diesseitsorientiert darstellten - beim Speisen, Trinken, Tanzen, Jagen, beim Sport und beim Sex. Kawasser siedelt sein Poem im Spannungsfeld von Krieg, Pandemie und Klimawandel an, dessen wiederkehrende Themen nach den Farben für die etruskischen Fresken wie Umbra oder Lapislazuli benannt sind, und erkundet die nebelhafte Linie zwischen Leben und Tod; er steigt in die etruskischen Gräber hinab, um dabei das sinnlich blühende Diesseits zu befragen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.11.2024
In Udo Kawassers neuem Lyrikband macht sich das lyrische Ich auf die Suche nach dem Sinn der Vergänglichkeit und des Menschlichen an sich, so Rezensent Björn Hayer. Der Lyriker ist zudem Tänzer, diesen Rhythmus merkt Hayer den Vers-Kaskaden an, die zu Erkenntnissen führen wie "erst die ferne gibt/der nähe ein maß." Die Gedichte begeben sich auf die Reise in die "Nekropole Tarquinia" und machen einige Grenz- und Naturerfahrung durch, etwa mit nachts schreienden Bäumen, erfahren wir. Für den Kritiker steht neben dem Rhythmus der Gedichte aber vor allem ihr hoffnungsspendendes Moment im Vordergrund und er empfiehlt den Band gerne.
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