David Foenkinos

Das erotische Potential meiner Frau

Roman
Cover: Das erotische Potential meiner Frau
C.H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406535505
Gebunden, 188 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Moshe Kahn. Hector ist ein krankhafter Sammler, so hortet er etwa kroatische Redewendungen, Käseetiketten, Glocken aus Seife und den Lärm um fünf Uhr morgens, eine kräftezehrende Sucht. Sein Selbstmordversuch misslingt, und um seinen sechsmonatigen Klinikaufenthalt vor den Verwandten verbergen zu können, erfindet er eine Reise in die USA. Als Hector sich in der Bibliothek für die Berichte über seine erfundene Reise rüstet, lernt er Brigitte kennen, die ebenfalls behauptet hat, sie sei für längere Zeit in den USA. Die beiden verlieben sich, heiraten und verbringen die Flitterwochen in den USA. Anschließend gründen Hector und Brigitte ein sehr erfolgreiches Reisebüro für krankhafte Lügner.
Als Hector Brigitte beim Fensterputzen beobachtet, empfindet er diesen Augenblick als so erotisch und einzigartig, dass er beschließt, seine Frau heimlich dabei zu filmen. Liebevoll unterlegt er seine Videos - wieder eine Sammlung - mit Car-Wash-Soundtracks, bis eines Tages auf einem der Videos ein Mann auftaucht... Hectors neue Sammelleidenschaft führt schließlich zum Eklat zwischen den beiden, aber die Liebenden finden eine originelle, für beide befriedigende Lösung. Die Drillinge, die Brigitte zur Welt bringen wird, sehen aus wie der Beginn einer neuen Sammlung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2005

Gut unterhalten fühlte sich Thomas Laux von David Foenkinos "Das erotische Potential meiner Frau". Geschildert werden, in einem Stil, der von fern an Boris Vian erinnert und dessen Humor zwischen Surrealismus und Albernheit schwankt, die Malaisen eines leidenschaftlichen Sammlers. Hector sammelt Spielzeug und Hasenpfoten, später wendet er sich erotischen Augenblicken zu. Also installiert er eine versteckte Kamera, die das Objekt seiner Begierde, Brigitte, beim Fensterputzen filmt. Dies sind für ihn faustische Momente, "Verdichtungen reinen Glücks". Durch Hectors seltsame Interessen laufen die Dinge aus dem Ruder, und es kommt zwischen ihm und Brigitte zu Irritationen und Eifersuchtsszenen. Damit auch die gehobene Leseerwartung nicht enttäuscht wird, bringt der Autor immer wieder "schwebende Diskurse der Pariser Schickeria und Intelligentsia" ins Spiel, wie Laux anmerkt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2005

Mit diesem Roman des französischen Autors und Filmregisseurs David Foenkinos hat sich Thomas Meissner gut amüsiert. Ein an "skurrilen Einfällen" reiches Buch, dessen Hauptfigur Hector sich von seinen verschiedenen Sammelleidenschaften zu lösen versucht, wie der Rezensent mitteilt. Er findet es sympathisch, dass der Autor seinen "Pseudohelden" zwar durchaus kritisch betrachtet, ihn dabei aber niemals "bloß stellt" und ihm zur Unterstützung jede Menge exzentrischer Nebenfiguren zur Seite stellt. Manchmal allerdings übertreibe es Foenkinos mit seinen verrückten Einfällen und "witzig" gemeinten, weit hergeholten Vergleichen, moniert Meissner, dem die dabei auftretende "latente Neigung zum Preziösen" auf die Nerven geht. Trotzdem ist Meissner alles in allem vom "Gespür für Situationskomik", die mit einem gehörigen Maß an "poetischem Potenzial" kombiniert ist, sehr eingenommen. Besonders der "lakonische Ton", der sich bei aller Fröhlichkeit durch die Meidung jeglicher "greller Effekte" einstellt, hat dem Rezensenten gefallen. Nur, dass Hector am Ende auch noch seine schönste Sammelbeschäftigung, die Käseetiketten, aufgeben muss, nimmt Meissner dem Roman beinahe "übel". Denn die poetischen "Momente reinen Glücks", die sich dabei aufgetan haben, fand der Rezensent nach eigener Aussage überaus "liebenswert".
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