David Shenks so umfassendes wie einfühlsames Porträt einer noch immer unterschätzten Krankheit hat bei seinem Erscheinen in den USA sowohl den Beifall des Feuilletons als auch der medizinischen Fachwelt gefunden. Und er belegt seine Aufsehen erregende These: Alzheimer ist eine Epidemie. Auch in Deutschland muss die Auseinandersetzung mit Alzheimer intensiver geführt werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2005
Gelungen findet Rezensentin Gisa Funck dieses Porträt der Alzheimer-Krankheit, das der New Yorker Journalist David Shenk vorgelegt hat. Wie Funck berichtet, steht weniger die Aufbereitung des Forschungsstandes und die Schilderung teils berühmter Krankheitsfälle (Ronald Reagan, Ralph Waldo Emerson, Willem de Kooning) im Mittelpunkt, als die "existenzielle Dimension" der Krankheit. Schließlich bedeute Alzheimer das Todesurteil. Ausführlich unterrichtet die Rezensentin über Verbreitung und Verlauf dieser unheimlichen Krankheit, die in einer Auslöschung der Identität der Betroffenen mündet, und darum zur "Horror-Metapher für menschliche Vergänglich- und Vergesslichkeit" avanciert sei. In Shenks Buch erblickt sie ein "Plädoyer für einen verständnisvolleren Umgang mit menschlicher Sterblichkeit generell". Sie hält es schon deshalb für "interessant und wohltuend", weil es zwinge, "sich nicht nur mit den Möglichkeiten, sondern auch mit den Grenzen und Verwerfungen des medizinischen Fortschrittsgedankens auseinanderzusetzen."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2005
David Shenks Buch über die Alzheimersche Krankheit hat Rezensent Alex Rühle nicht kalt gelassen. Als "eindringlich" und "beklemmend anschaulich" empfindet er dessen Erklärung dieser Krankheit, die nach und nach alle Erinnerungen auslöscht und in der Verdunkelung des Geistes mündet. Rühle hebt hervor, dass Shenk die Schilderung des Krankheitsverlaufs mit berühmten Beispielfällen wie Ralph Waldo Emerson, Ronald Reagan oder Willem de Kooning, sowie mit einer Darstellung der medizinischen Alzheimer-Forschung verknüpft. Die "besondere Leistung" des Autors aber sieht er darin, dass hier nicht nur vom Schrecken, sondern auch von den Glücksmomenten der Krankheit die Rede ist. Shenk lasse dazu einen Kranken, den Universitätsprofessor Morris Fridell, zu Wort kommen, der davon berichte, dass er durch den Wegfall der Erinnerungen die Gegenwart immer prägnanter wahrnehme. "Diese glücklich-intensiven Augenblickserlebnisse", hält Rühle fest, "sind mit am anrührendsten."
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